Kommentar: Rasch handeln

Das war zu erwarten: In ihrer ersten Regierungserklärung hat Kultusministerin Nicola Beer den Schulen und sich selbst gute Zensuren erteilt. Von Peter Schulte-Holtey

Doch sie enttäuschte zugleich, denn noch offen ließ die FDP-Politikerin, wie zum Beispiel die angestrebte Wahlfreiheit für Schulen zur Gymnasialzeit umgesetzt werden soll. Wie mehrmals angekündigt, soll es für Gymnasien ab übernächstem Schuljahr die Möglichkeit geben, zwischen G8 und G9 zu wählen. Ob beide Wege an ein und derselben Schule realisiert werden können, soll geprüft werden. Doch vieles ist noch unklar.

Undurchsichtig bleibt auch, wie die versprochene 105-prozentigen Lehrerversorgung erreicht werden soll. Dabei steht für alle Beteiligten fest, dass dieses Ziel rasch erreicht werden muss. „Natürlich kämpfen wir mit Unterrichtsausfall und zwar in gleicher Art und Weise wie in den vergangenen zwei, drei Jahren auch“, kritisierte die Vorsitzende des Landeselternbeirats, Kerstin Geis, gestern. Mit anderen Worten: Die Schulen brauchen mehr Reserven für Vertretungen und die individuelle Förderung der Schüler.

Beer muss schnell Flagge zeigen

Überall lauern Fallstricke für die junge Ministerin. Erst hat Regierungschef Volker Bouffier versucht, ihr das Heft des Handelns bei der G8-Reform aus der Hand zu nehmen; und jetzt wird sie auch noch vom bildungspolitischen Sprecher der CDU, Hans-Jürgen Irmer, beim Thema „islamischer Religionsunterricht“ massiv angegriffen.

Beer sollte also auch mit Blick auf die vielen Attacken vom Koalitionspartner klar sein, dass sie schnell Flagge zeigen muss. Sie darf sich nicht länger vor einer vernünftigen Planung drücken. Mit der Hinhaltetaktik setzt sie vor allem ihre Glaubwürdigkeit bei denen aufs Spiel, die sie bei ihren Reformen am nötigsten braucht: Schüler, Eltern und Lehrer.

peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

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