Landtagswahl und der Flughafen

Kommentar: Welche Quittung?

Man kann die Ergebnisse der hessischen Landtagswahl so eigenwillig interpretieren, wie man mag - ein Schub für die Gegner des Flughafenausbaus sind sie nicht. Im Gegenteil. Der politische Boden unter den Füßen der Demonstranten ist wackeliger als sie denken. Von Ralf Enders

Nicht nur hessenweit, auch rund um den Flughafen haben je nach Kommune 35 bis 55 Prozent mit der Zweitstimme die Ausbaubefürworter CDU und FDP gewählt. Gewiss: Schwarz-Gelb ist abgewählt, und die Liberalen wurden abgewatscht. Aber auch die konsequenten Ausbaugegner Grüne und Linke haben fast überall Stimmen verloren. Und die um Ausgleich bemühte SPD hat nicht entscheidend zugelegt.

Sämtliche Direktmandate rund um den Flughafen haben CDU-Politiker gewonnen. Die eigens gegründete Flughafen-Protestpartei LUPe (Lärmfolter Umwelt Politik ehrlich) hat sicher nicht nur wegen ihres kryptischen Namens landesweit keine 2 000 Stimmen erhalten. Und: 25 bis 30 Prozent der vermeintlich Lärmgeplagten sind überhaupt nicht wählen gegangen. Ihnen war das Thema zumindest nicht wichtig genug. Für die, die gewählt haben, war es zumindest nicht wahlentscheidend.

Eine Quittung für „rücksichtslose Ausbaupolitik“ und Agieren „gegen das eigene Volk“, wie sich Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen, das Wahlergebnis schönredet, sieht anders aus. Da gerät im Eifer des Gefechts wohl allzu leicht aus dem Blick, wie viele Menschen direkt oder indirekt vom Flughafen leben oder dessen Annehmlichkeiten zu schätzen wissen.

Es gibt gute Gründe, den Ausbau des Flughafens und den Lärm zu beklagen. Und es ist gutes Recht, dagegen zu demonstrieren. Die Selbstverständlichkeit aber, mit der die Ausbaugegner die Mehrheit der Menschen in Rhein-Main hinter sich sehen, ist bestenfalls übermütig.

Quelle: op-online.de

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