Leipziger Flughafen-Urteil

Kommentar: Leiser wird es erstmal nicht

Gestern war was anders in der Region. Gestern heulte es zweimal. Einmal um Fünf. Das waren die Jets, die sich allnächtlich mit Ablauf des Nachtflugverbots im Rudel auf den Frankfurter Flughafen stürzen. Und einmal nach Zehn. Von Marcus Reinsch

Das war die Luftverkehrswirtschaft, die sich auf allen Nachrichtenkanälen wortgewaltig bemitleidete, weil das Bundesverwaltungsgericht Leipzig das Nachtflugverbot nicht nur bestätigt, sondern auch zur Verschärfung empfohlen hat. Unerträglicher Lärm war beides.

Und beides wird so schnell nicht abschwellen. Man sollte - so sehr das Leipziger Urteil auch zu Freude und verständlicher Schadenfreude über den gefühlten Sieg eines Davids über einen Goliath verleiten mag - eines nicht ausblenden: Die höchstrichterliche Entscheidung macht erstmal nichts besser, also leiser, als es momentan ist. Sie verhindert nur, dass es nachts lauter wird. Sie ist nicht mehr als das vorläufige Ende eines kraftraubenden Kampfes, der gar nicht nötig gewesen wäre, wenn sich die Landesregierung nicht in aller durchschaubaren Verlogenheit zu Handlangern derjenigen gemacht hätte, die Millionengewinne statt Menschen schätzen.

Und, das ist ebenfalls nicht zu vergessen, das Gericht hat neben dem Landes-Angriff aufs Nachtflugverbot auch alle Musterklagen abgewehrt. Damit ist der Flughafenausbau final abgesegnet und das Ausbau-Aus als Maximalziel von in ihrer Entwicklung massiv gehemmten Städten verfehlt. Folgerichtig verstieg sich der „Widerstand“ gestern auch nicht zu Freudenschreien, sondern läutete umgehend die nächste Runde ein. Im nun fälligen Ergänzungsverfahren zur Planfeststellung werden sich Ausbaubefürworter und Ausbaugegner mit den Argumenten gegenüberstehen, die sie schon einmal ausgetauscht haben. Nur, dass sich das Land diesmal nicht einfach trauen darf, das Recht seiner Bewohner auf Nachtruhe beiseite zu wischen wie eine lästige Fliege. Zu glauben, dass das Leipziger Korsett eng genug sein wird, um den Juristen und Propagandisten der wirtschaftlich und deshalb politisch mächtigen Luftverkehrswirtschaft das Tricksen zu verleiden, wäre allerdings fahrlässig. Die Leidtragenden des Flughafenausbaus müssen hellwach bleiben. Und unter dem Lärmteppich wird ihnen das nicht schwer fallen.

Quelle: op-online.de

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