Nicht ablenken!

+
Peter Schulte-Holtey

Bitte keine Nebelkerzen werfen! Bei der Bewertung der bundesweiten Studie zu Leistungen von Viertklässlern sollte in Hessen nicht von den wahren Problemen an den Grundschulen im Bundesland abgelenkt werden. Von Peter Schulte-Holtey

Wenn die Lehrergewerkschaft GEW und Kultusministerin Nicola Beer die Aussagekraft der Untersuchung in Frage stellen, verstellen sie doch nur den Blick auf elementare Schwachstellen, über die jetzt gesprochen werden muss.

Natürlich ist es richtig, dass Bildungsexperten seit Jahren raten, bei Schulleistungsstudien nicht ganze Bundesländer miteinander zu vergleichen, sondern besser Regionen mit ähnlichen sozialen Strukturen und Migranten-Bevölkerungsanteil. Also etwa Berlin mit dem Rhein-Main-Gebiet, wegen der hohen Ausländerquoten unter den Schülern, oder ländliche Gebiete im Osten mit denen im Westen, wegen Abwanderung und Bevölkerungsrückgang. Leider nur im Ansatz wird dies in der neuen Studie umgesetzt.

Viel wichtiger ist es aber, die relativ schlechten Ergebnisse für Hessens Grundschulen als Aufforderung zur schnellen Wende zu verstehen. Denn den Anspruch, Kinder individuell optimal zu fördern, können die Grundschullehrer nur dann erfüllen, wenn die Klassenobergrenzen mit 20 Kindern auch tatsächlich eingehalten werden. Der Grundschulvergleich unterstreicht zudem noch einmal, dass nur eine möglichst umfangreiche Förderung die sprachlichen Defizite von Migrantenkindern ausgleichen kann. Dafür sollten Lehrer aber ausreichend Zeit bekommen. Auch müssen endlich Antworten gegeben werden, um beim gemeinsamen Unterricht mit behinderten Schülern eine Doppelbesetzung mit fachlich kompetenten Förderschullehrern zu gewährleisten.

Es gibt viele weitere Baustellen an Hessens Grundschulen. Darauf sollte sich die Schulpolitik nun konzentrieren.

peter.schulte-holtey@op-online.de

Quelle: op-online.de

Kommentare