Kommentar: Lenkung statt Ausbau

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Ralf Enders

Stirnrunzeln - das war im Jahr 2003 die häufigste Reaktion auf den Start von „Staufreies Hessen 2015“. Wieder so ein Projekt, das Ministerien und Ämter beschäftigt, dessen realer Wert aber überschaubar bleibt. Und auch 2011 scheint der reine Name nichts als Illusion. Von Ralf Enders

Jedoch: Standen die Autofahrer in unserem Durchfahrland 2003 noch 88.000 Stunden im Stau, sind es seit 2008 nur noch 20 000 Stunden. Tendenz: sinkend. Wer täglich auf der A 3 irgendwo zwischen Wiesbaden und Aschaffenburg unterwegs ist, glaubt dies kaum. Aber auch hier hat etwa die Standspur-Freigabe für Entspannung gesorgt.

Der neueste Baustein eines computergestützten Baustellen-Managements sucht das richtige Zeitfenster (Slot) für Bauarbeiten. Auch diese Idee dürfte zunächst nicht mit dem Empfinden vieler Autofahrer - dass an einigen der bundesweit mehr als 500 Autobahnbaustellen überhaupt gearbeitet wird - in Einklang zu bringen sein, verdient aber Beachtung. Die Taktik vieler kleiner Lenkungsmaßnahmen mit modernsten Mitteln ist offensichtlich erfolgreicher als der reine Ausbau von Autobahnen. Der hielte mit dem steigenden Kfz-Aufkommen ohnehin nicht Schritt.

Das alles ändert nichts daran, dass mehr Güterverkehr auf die Schiene gehört und mehr Pendler in Busse und Bahnen. Und staufrei wird Hessen 2015 wie gesagt mitnichten sein. Aber die Messlatte hoch zu legen, um besser zu werden, schadet nicht.

Quelle: op-online.de

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