Marode Brücken

Kommentar: Betonkrebs und Geldnot

Auf der A5 zwischen Darmstadt und Frankfurt wird in dieser Woche eine „Baustelle der Superlative“ aufgemacht, wie es die Straßenbauverwaltung Hessen Mobil formuliert. Von Donnerstag bis Sonntag reißen Arbeiter zwei Brücken ab und sanieren die Fahrbahn großflächig.

30 Kilometer der viel befahrenen Autobahn sind komplett dicht. Die Baustelle befindet sich in exponierter Lage, ist aber beileibe kein einmaliges Ereignis. An den Anblick und die Unannehmlichkeiten werden wir uns gewöhnen müssen: Knapp 50 Prozent der deutschen Autobahnbrücken haben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung zufolge die „gültigen Warnwerte“ überschritten.

Bei den kommunalen Brücken im Besitz von Städten, Gemeinden und Landkreisen ist die Lage noch dramatischer, wie eine Studie nun ermittelt hat. Klar, die Auftraggeber aus der Bauwirtschaft sind interessengesteuert, aber die Fakten bestätigt jeder Baustadtrat mit sorgenvollem Blick: Der sogenannte Betonkrebs frisst sich durch die Eingeweide unserer Brücken.

Wahrscheinlich wollen wir gar nicht so genau wissen, über welche Brücken in welchem Zustand wir da täglich fahren oder laufen. Und jenseits des Sicherheitsaspekts bleibt festzuhalten: Hier verrottet ein gigantisches volkswirtschaftliches Vermögen. Was im Übrigen auch für viele Straßen und Wasserwege gilt.

Woher die Milliarden für Neubau oder Sanierung in den nächsten Jahren kommen sollen, ist nicht klar. Zwar bezahlen Bund und Länder den Kommunen mehr als die Hälfte der Kosten, wenn es sich um eine Hauptverkehrsstraße handelt. Aber selbst das ist schon zu wenig.

Die Verkehrsminister der Bundesländer treffen sich an diesem Mittwoch zu einer Sonderkonferenz, um der Bundesregierung einen milliardenschweren Sanierungs-Fonds für unsere Verkehrs-Infrastruktur vorzuschlagen. Teil des Pakets ist eine Ausweitung der Lkw-Maut. Um die Pkw-Maut wird derweil weiter gerangelt.

Der Streit wird weitergehen, das ist so sicher wie die nächste Brückensperrung.

Quelle: op-online.de

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