Keine Zeit zum Atemholen

Kommentar: Region schärft Wirtschaftsförderung

+
Michael Eschenauer

Schneller, Stärker, Smarter“ – so ganz können sie das Sprücheklopfen nicht lassen, die Handlungsträger in Sachen Wirtschaftsförderung. Von Michael Eschenauer 

Ihre Werbe-Anstecknadel schillert nassforsch und erinnert an Zeiten, in denen die Firmen-Werber glaubten, für die Pflege des Unternehmensbestands und die Gewinnung neuer Betriebe reichten flotte Floskeln und peppige Prospekte aus. Ansonsten aber kommt das neue Wirtschaftsförderungskonzept solide rüber. Es gibt eine breite Unterstützerbasis – von den Kreiskommunen über den Kreis selbst bis zur Industrie- und Handelskammer – es gibt eine Debatte über die Ziele und eine entsprechende Festlegung darauf, und es gibt zumindest den starken Willen, unverzüglich die Epoche des geduldigen Papiers hinter sich zu lassen. Vorschläge für Verbesserungen, so beteuert Landrat Oliver Quilling, sollen ab sofort und laufend in die Verwaltungsprozesse eingespeist werden.

Die Bürokratie will ansiedelungs- und ausbauwillige Firmen bei den Baugenehmigungen an die Hand nehmen – als Partner, als Freund und nicht als hoheitliches Exekutiv-Organ. Wo, wenn nicht hier, beginnt wirkungsvolle Akquise? Dass man sich in der Region bereits bemüht, das Kirchturmdenken zu überwinden, zeigt der Ausbauplan im Kreis in Sachen Breitband. Hier beteiligen sich bereits gut versorgte Kommunen an einem Förderkonzept, das schwache Gemeinden mitnimmt. Schon jetzt habe die Debatte über eine bessere Wirtschaftsförderung in der Verwaltung ein Umdenken bewirkt, sagte gestern Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser. Ob man das Kirchturmdenken bei der Firmenwerbung tatsächlich überwunden hat, muss die Zukunft zeigen.

Lesen Sie dazu auch den Artikel:

Masterplan für neue Wirtschaftsförderung

Die Region ist gut aufgestellt. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,9 Prozent, 203 Millionen Euro flossen als Gewerbesteuer in die öffentlichen Kassen. Landrat Quilling nannte die Daten mit breitem Lächeln. Sich auf Erfolgen auszuruhen aber wäre riskant. Wer im nationalen und internationalen Nullsummenspiel um wirtschaftliche Erfolge auch nur Atem holt, hat schon verloren. Es ist immer schöner, wenn andere verlieren – auch deshalb hat das Förderkonzept Sinn. „Gelesen, gelacht, gelocht“ – diese Borniertheit der Bürokratie ist weithin Vergangenheit. Bei der Wirtschaftsförderung hat die Region trotzdem ein dickes Brett zu lochen: Bislang existiert nicht einmal eine gemeinsame Homepage.

Quelle: op-online.de

Kommentare