Der Zug der Zeit

Kommentar zur neuen DFB-Akademie

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Michael Eschenauer

Frankfurt - Unterschriftensammler in den Fußgängerzonen, Plakate in Massen, Pressekonferenzen im Wochentakt, eine Informationsveranstaltung der Stadt für die Bürger - und jetzt als medienpolitisches Höhenfeuerwerk endlich die Vorstellung des Entwurfs für die „Akademie“. Von Michael Eschenauer

Deutsche Fußball-Prominenz spendet freigiebig Applaus für das Projekt; in Frankfurt, wo sich am 21. Juni die Bürgerschaft entscheiden muss, ob sie lieber ihre im Verborgenen blühende Pferderennbahn in Niederrad behalten will oder eher scharf ist auf einen neuen, 90 Millionen Euro teuren Palast des bundesdeutschen Fußballs, nimmt die Schlagzahl zu. Und die Nervosität. Denn eines ist klar: Die Rennbahn-Freunde machen mehr Wirbel als gedacht, obwohl sie mit relativ bescheidenem Budget in die Schlacht ziehen. Sie setzen ähnlich wie die Bürgerinitiativen, die erfolgreich eine Bebauung des alten Flugfeldes Berlin-Tempelhof ablehnten oder die Stuttgarter „Wutbürger“ gegen den Bahnhofsumbau und Windpark-Gegner im Rheingau auf eine diffuse Abneigung der Öffentlichkeit gegen Veränderungen ihres Umfeldes. Da werden die in der Regel korrekten Abstimmungsprozesse ignoriert - allein, um „denen da oben“ einen Denkzettel zu verpassen. In der „Causa DFB“ könnte nebenbei gesagt noch ein Schuss Wut über die korrupte FIFA dazukommen.

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1:0 für die Akademiker

Viele Jahre lang fristete die Rennbahn eher ein Schattendasein. Die Verantwortlichen entwickelten erst eigene Initiativen, als sich ihr Ende abzuzeichnen begann und die schützenden Hände der Stadt in den Hosentaschen blieben. Pferderennsport in Frankfurt mag eine schöne Tradition haben, der Zug der Zeit aber fährt woandershin. In Richtung Fußball. Die Disziplin drückt nicht nur andere Sportarten an den Rand, sie sickert auch in die politischen Entscheidungsprozesse. Eine „DFB-Akademie“ bedeutet für die Bankenstadt Frankfurt einen ähnlichen Image-Booster wie der Aufstieg der Lilien für Darmstadt. Schweinsteiger, Neuer, Hummels kennt jeder. Einer relativ aktuellen Umfrage (im Auftrag des DFB) zufolge sind 79 Prozent in Frankfurt für die „Akademie“. Kaum jemand mag derzeit auf den Fortbestand der Rennbahn wetten.

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

Der jetzt vorgelegte Architektenentwurf versucht geschickt, durch gestalterische Qualität, demonstratives Vermeiden jeglicher Klotzigkeit, schonenden Umgang mit dem Grün und einer gewissen Offenheit den Eindruck von Arroganz und Abschottung zu verhindern. Dies ist wichtig für den Fußball und für die Stadt, denn würde das Projekt „DFB-Akademie“ tatsächlich scheitern, wäre der Imageschaden für Frankfurt desaströs.

Quelle: op-online.de

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