NORAHS Auftrag

Kommentar zur NORAH-Lärmstudie

Frankfurt - Es hätte schlimmer kommen können – zumindest aus Sicht des Flughafenbetreibers Fraport. Die nach Eigeneinschätzung der Wissenschaftler praktisch unangreifbare weil penibel überwachte Studie zu den Auswirkungen von Flugzeug-, Auto- und Schienenlärm auf die Gesundheit der Anwohner taugt nicht für Schreckensmeldungen. Von Michael Eschenauer

Bestimmte Arten des Verkehrslärms haben einen ungünstigen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System, Fluglärm erhöht die Fallzahl bei den Depressionen, und – noch ist hierzu mehr Forschung nötig – beim Brustkrebs gibt es mehr Kranke, wenn es allzu laut wird. Auch behindert der Lärm aus der Luft – das wissen wir bereits seit vergangenem Jahr – das Lesenlernen in der Grundschule. Immerhin lassen die Flieger den Blutdruck in Ruhe.

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Nicht gut für Psyche und Körper

Die ermittelten Zusammenhänge mögen zum Teil marginal sein, aber sie basieren auf sehr hohen Basiszahlen. Das heißt: Die Prozentzahl mag zwar klein sein, die absolute Zahl der Betroffenen aber umso beeindruckender. Die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen rund um den Flughafen müssen nun unaufgeregt analysiert werden. Sie sollten weitere Maßnahmen des Lärmschutzes prägen.

Reaktionen sind auch auf einem anderen Gebiet notwendig. Darauf weist die Tatsache hin, dass die durchschnittliche Lärmbelastung in den vergangenen Jahren zwar nicht gestiegen ist, sich gleichwohl viele Anwohner des Flughafens stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Die psychologische Wirkung des Nachtflugverbots scheint wirkungslos verpufft zu sein: Die Leute schlafen zwar objektiv besser, fühlen sich tagsüber aber trotzdem schlapp. Und sie fühlen sich mehr gestört, als ihre Leidensgenossen im Raum Köln/Bonn, wo es gar kein Nachtflugverbot gibt. Allerdings ist deren Befragung 15 Jahre alt.

All dies zeigt, dass die Sensibilität beim Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet gestiegen und die Stimmung bei manchen vergiftet ist. Für einige Menschen mag die Belastung ein derartiges Ausmaß angenommen haben, dass eine Entlastung gar nicht mehr wahrgenommen wird, andere sind womöglich mittlerweile derart genervt vom Flughafen, dass ihnen eine objektive Beurteilung ihrer Situation gar nicht mehr möglich scheint. All das hat mit „Psycho-Kram“ nichts zu tun: Die tatsächliche Belastung und die subjektiv empfundenen Einbußen an Lebensqualität sind wichtige Faktoren, die in die künftigen Anstrengungen zur Messung und Minderung des Fluglärms einfließen müssen.

Krankheitsrisiken sind zu minimieren, ebenso die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Wer sich auf den Flughafen „eingeschossen“ hat, sollte allerdings eines nicht vergessen: Es geht mitnichten nur um Fluglärm, sondern auch um den Krach durch Autos oder Eisenbahnen. Dies ist der wahre Auftrag der NORAH-Studie.

Quelle: op-online.de

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