Zu viel Kredit verspielt

Kommentar zum Aus der Odenwaldschule

Die Odenwaldschule ist wohl nicht mehr zu retten. Es spricht für die aktuell Verantwortlichen, dies erkannt zu haben. Vordergründig sind es finanzielle Gründe, die ein Fortbestehen der berühmten Lehranstalt in Heppenheim verhindern. Von Christoph Zöllner

Doch ursächlich ist das verloren gegangene Vertrauen nach der unglaublichen, vor fünf Jahren bekannt gewordenen Missbrauchs-Serie, die sich in den 70er und 80er Jahren in dem vermeintlichen Idyll ereignet hatte. Der damalige Leiter, der 2010 verstorbene Gerold Becker, aber auch andere Lehrer standen im Blickpunkt. Das Familienmodell der Schule, das einst als wesentliche Stärke gefeiert worden war, hatte sich als größter Schwachpunkt entpuppt. Obwohl die Gruppen mit jeweils einem Lehrer als Oberhaupt inzwischen aufgelöst wurden, obwohl sich neue Köpfe in einer neuen Rechtsform um neuen Kredit bemühten, obwohl eine Brücke zur Opfervereinigung „Glasbrechen“ geschlagen wurde, war ein Neuanfang doch nicht mehr möglich. Das Krisenmanagement war anfangs zu zögerlich und hatte so das Leid der Missbrauchsopfer noch erhöht.

Die Kapitulation verdeutlicht, dass beim Sturz von der Elite- zur Skandalschule zu viel kaputtgegangen ist und die Scherben - trotz aller Bemühungen - nicht mehr zu kitten sind. Der Schlussstrich, der nun gezogen werden soll, ist zwar tragisch, aber zu begrüßen. Denn an einem Schrecken ohne Ende kann im Odenwald niemand interessiert sein. Nicht die Mitarbeiter, nicht die Eltern und schon gar nicht die Schüler.

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Quelle: op-online.de

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