Pendler-Statistik

Kommentar: Der lange Dienstweg

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Ralf Enders

Offenbach - Der Pendler an sich treibt Stadtplaner und Politiker in den Wahnsinn, nicht nur in den Pendler-Hochburgen Frankfurt und Offenbach. Wahrscheinlich liegt es allein an der imposanten Zahl von mehr als 30 Millionen in Deutschland, dass diese Spezies noch nicht verboten wurde.

Und zwei Drittel der Kilometerfresser sind mit dem Auto unterwegs, magere 14 Prozent mit Bus und Bahn. Auf den ersten Blick ist das natürlich hochgradiger Unsinn, denn:

Pendeln per Auto ist teuer; die Benzinpreise steigen in unverschämter Regelmäßigkeit, die Pendlerpauschale - die staatliche Subvention des Unsinns - dagegen nicht. Pendeln belastet die Umwelt mit CO2 und Lärm. Pendeln macht krank; zahlreiche Studien belegen, dass ein zu langer Arbeitsweg negativen Stress, Fitnessprobleme, hohen Blutdruck und psychische Erkrankungen auslöst. Lügen sich Pendler also die Hucke voll, wenn sie sagen, die Fahrerei mache ihnen nichts aus? Und hängen sie einer idiotischen Lebensform nach?

Nicht unbedingt, denn bei der Wahl des Wohnorts spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Entfernung zum Arbeitsplatz ist nur einer davon. Daneben gibt es die Kriterien Stadt oder Land, Freundeskreis, Kinder, Bezahlbarkeit und, und, und. Das Auto ist dabei für viele unverzichtbar. Wer vor der Arbeit etwa noch Kinder für Schule oder Kindergarten fertig machen muss oder Besorgungen zu machen hat, der weiß, dass Lebenswirklichkeit und ÖPNV-Angebot nicht immer deckungsgleich sind. Nicht wenige genießen zudem die Zeit im Auto - Ruhe haben, nachdenken, mal eine rauchen, die Lieblingsmusik hören.

Diese Lebensform ist unvernünftig bequem und deshalb so beliebt. Aber ihr Ende ist absehbar, denn in dem Maße, wie die Energiekosten ins Unbezahlbare steigen, werden Job und Wohnen auch wieder mehr zueinander finden. Das pendelt sich dann sozusagen ein.

Quelle: op-online.de

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