Schwarz-grüne Sondierungsgespräche

Kommentar: Handwerker und Spieler

Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern, lautet Max Webers immergültiger Lehrsatz. Von Christian Riethmüller

Doch manchmal bedeutet Politik auch, in einer Pokerrunde zu sitzen und darüber nachzudenken, ob man dem Impuls folgen sollte, sein ganzes Vermögen zu setzen, um die Partie für sich zu entscheiden. Notfalls eben mit einem Bluff. Dieser Phase des Spiels sind die hessischen Parteien, die für eine Regierungsbildung in Frage kommen, nun ziemlich nahe. Schwarze und Grüne beispielsweise sind sich nach drei Sondierungsrunden nicht mehr so unsympathisch, wie sie zuvor immer befürchteten.

Allerdings werden sich die beiden Parteien nicht über das Thema Frankfurter Flughafen einigen können. Die Grünen wollen ein ausgeweitetes Nachtflugverbot, weniger Flugbewegungen und gewiss kein drittes Terminal, während die CDU jeweils das Gegenteil befürwortet, weil sie andernfalls die wirtschaftliche Entwicklung Hessens gefährdet sieht. Einigung ist hier nicht in Sicht.

Gingen Schwarze und Grüne allerdings ungeniert mit dem Vorwissen in die Koalitionsverhandlungen, die Flughafen-Fragen in der nächsten Legislaturperiode ohnehin nicht beantworten zu können, wäre der Weg für ein Experiment frei, bei dem beide Parteien alles verlieren, aber auch alles gewinnen können.

Quelle: op-online.de

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