Debatte über Polizeieinsatz

Kommentar: Angemessen, aber ...

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Michael Eschenauer

Natürlich - nachher ist man immer schlauer. Hohn und Spott müssen die städtischen Ordnungsbehörden und die Frankfurter Polizei in diesen Tagen nach den mit Furcht und Schrecken erwarteten und am Ende relativ harmlosen Blockupy-Tagen ertragen. Von Michael Eschenauer

Man habe überreagiert, friedliche Demonstranten kriminalisiert, das Demonstrationsrecht mit Füßen getreten und sich am Ende als angeblich so weltoffene, liberale Stadt grenzenlos blamiert, heißt es. Gleichzeitig rechtfertigen Innenministerium und Polizei die massive Polizeipräsenz.

Mehrere Stunden konnten die Kapitalismuskritiker mitten in der Frankfurter Innenstadt ungestört ihre Anliegen öffentlich machen genau so wie es in einer Demokratie garantiert wird. Passiert ist nichts, und das ist gut so. Ob dies der massiven Polizeipräsenz seit Mittwoch und speziell bei der Großdemo am Samstag geschuldet ist, ob tatsächlich Gewaltdemonstranten in großer Zahl Frankfurt ins Fadenkreuz genommen hatten und nur angesichts der Polizei-Hundertschaften abdrehten, wird wahrscheinlich nicht mehr zu klären sein. Eines aber ist sicher: Wäre es zu Ausschreitungen gekommen - und nach dem 31. März musste man zumindest eine solche Wende ins Kalkül ziehen - hätte eine unvorbereitete Polizei zu Recht im Sturm der Kritik gestanden. Und auch am Samstag gab es trotz einer überwältigenden Mehrzahl friedlicher Demonstranten einige Grüppchen, die mehr wollten als „nur“ die Polizisten zu beschimpfen - was leider auch relativ viele andere taten. Für erstere stellte der Polizeikordon die einzig passende Begleitung dar.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass mehr Gelassenheit dem Image von Stadt und Polizei gutgetan und den Polizeiverächtern den Wind aus den Segeln genommen hätten. Das Einkesseln auch kleiner, eindeutig friedlicher Gruppen, das rechtlich problematische Stadtverbot für Teilnehmer und das sture Auflösen jeder wie auch immer gearteten Personenansammlung spricht nicht für einen souveränen Umgang mit Leuten, die schlimmstenfalls ein wenig schräg drauf waren. Fazit: Man hätte von einer erfahrenen Großstadtpolizei weniger Verbissenheit und von den Veranstaltern eine schärfere Distanzierung gegenüber jeglicher Gewalt erwarten dürfen. Die demonstrative Polizeipräsenz hat sich im Nachhinein als zu massiv erwiesen. Aber sie war grundsätzlich unverzichtbar. Man sollte für den Fall der Fälle immer noch ein Ass im Spiel haben. Aber der gute Pokerspieler bleibt cool und hält die Karten dicht am Körper.

Quelle: op-online.de

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