Kommentar zur Preissteigerung beim RMV

Auf die jährliche Preiserhöhung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes ist Verlass. Spötter behaupten, mehr als auf die Pünktlichkeit seiner Züge. Von Ralf Enders

3,45 Prozent sind es diesmal, die der Verkehrsverbund mehr verlangt. Das ist ein satter Zuschlag, auch wenn der RMV darauf verweist, er liege am unteren Ende der Spanne dessen, was andere deutsche Verkehrsverbünde draufsatteln. Schließlich finden die Fahrpreiserhöhungen des RMV im Deutschland-Vergleich auch von einem sehr hohen Niveau aus statt. Und auf jeden Fall liegt der jüngste Zuschlag weit oberhalb des eigentlichen Maßstabs: der Inflationsrate. Die ist nämlich auf ein Vier-Jahres-Tief von weniger als einem Prozent gesunken. Die Fahrpreise steigen also deutlich stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten.

Die Begründung des RMV hierfür ist sogar nachvollziehbar: Menschliche Arbeitskraft und Energie sind deutlich teurer geworden. Das kennt jeder im Kleinen, der seine Heizkostenrechnung begleicht oder einen Handwerker bestellt. Und auch das muss jeder wissen, der den Busfahrern zurecht mehr Geld gönnt und saubere Energie will: Die Rechnung zahlt am Ende der Kunde.

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Wohnen, Einkaufen, Fortbewegung - Existenzielles ist im Rhein-Main-Gebiet richtig teuer. Der RMV - ein Zusammenschluss von 15 Landkreisen, elf Städten und des Landes Hessen - macht bei diesem Preistreiberspiel im Ballungsraum fleißig mit. Da nutzt den Kunden die niedrige Inflationsrate gar nichts, in die ja auch Unterhaltungselektronik-Schnickschnack oder Telefonie einfließen.

Und: Ein neben den hohen Fahrpreisen nicht minder großes Problem ist die Ungerechtigkeit und Undurchsichtigkeit des RMV-Systems. Die völlig überfrachtete Ticketpreisstruktur und der Tarifdschungel schrecken viele ab, die vielleicht gerne mal Bus und Bahn fahren würden. Tun sie’s dann doch, sehen sie, dass etwa die einfache Fahrt von Hanau nach Offenbach künftig 4,55 Euro kostet, eine Station weiter nach Frankfurt (Stadtgrenze überschritten!) aber 8,10 Euro. Und dann setzen sie sich halt wieder ins Auto.

Quelle: op-online.de

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