„NORAH“ wirkt

Kommentar zu Reaktionen auf NORAH-Studie

Nein, aus der „NORAH-Nummer“ kommen die Luftverkehrswirtschaft und der Frankfurter Flughafen nicht so leicht raus. Hatte sich kurz nach Veröffentlichung der Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Fluglärm noch der Eindruck eingestellt, so schlimm sei es ja gar nicht, legt nun die Fluglärmkommission (FLK) einige Finger in schwärende Wunden. Von Michael Eschenauer

Das ist gut so, denn erstens haben Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Bundesrat eine Initiative zur Verbesserung des Fluglärmschutzes auf den Weg gebracht, die der anschwellenden Begleitmusik bedarf, und zweitens sind auch bei zurückhaltender Interpretation der NORAH-Ergebnisse Auswirkungen von Fluglärm auf Psyche und Herz-Kreislauf-System nicht zu leugnen. Beobachter berichten, dass auch die Vertreter der Luftfahrtindustrie in der FLK die Qualität der Studie und ihre Aussagen kaum bestritten hätten. Hier zeigt sich, dass es sehr wohl sinnvoll war, die Studie von möglichst vielen auch unterschiedlichen Interessengruppen finanzieren zu lassen und sie damit auf eine extrem breite Basis zu stellen.

Es wird interessant sein, zu beobachten, wie in Hessen und im Bund die politischen Player auf NORAH reagieren. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), für den die mit vom Land finanzierte Studie imagepflegenden Charakter besitzt, nutzt bereits ihre Ergebnisse und visiert die Einführung einer Lärmobergrenze an. Seine Vorgänger hatten die Forderungen der Mediation nach einem Anti-Lärm-Pakt ignoriert - bis sie das Thema in Form nicht nachlassender Proteste einholte. In Berlin steht die Überprüfung des Fluglärmschutzgesetzes zwar erst 2017 an, und eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes ist noch gar nicht geplant, dennoch hat das Thema Eingang in die Programme von CDU und SPD gefunden. Auch europaweit könnten sich Initiativen jetzt auf die Studie berufen, berichtet Dirk Treber, Chef der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms. Und FLK-Vorsitzender Thomas Jühe sekundierte: „Die Welt des Fluglärmschutzes ist jetzt eine andere“. Es mag ja stimmen, dass NORAH je nach Interessenlage als „argumentatorischer Steinbruch“ genutzt wird. Viel klarer allerdings ist: Die Forderung, Fluglärm zu vermindern, hat neuen Wind unter die Flügel bekommen.

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Quelle: op-online.de

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