Kommentar zum RMV

Schlechte und hoffnungsvolle Nachrichten vom Rhein-Main-Verkehrsverbund: Enttäuschend für Offenbacher ist sicherlich, dass die S-Bahn-Fahrt nach Frankfurt zunächst teuer bleibt. An dem Ärgernis wird sich zunächst nichts ändern. Von Peter Schulte-Holtey

Unlängst war noch vom Jahr 2015 die Rede, dann sollte das seit langem angekündigte neue Tarifsystem für mehr Gerechtigkeit vor allem bei Kurzsstrecken sorgen. Jetzt peilt der RMV erst 2017 an.

Für RMV-Kunden bleiben die Ticketpreise natürlich ein brisantes Thema, denn längst ist der Öffentliche Nahverkehr für viele spürbar kostspieliger geworden. In der Diskussion sollte aber in Erinnerung gerufen werden, dass kein einziger Kunde den realen Preis bezahlt. Der RMV finanziert sich ja zu 56 Prozent durch Einnahmen aus dem Ticketverkauf; die restlichen 44 Prozent sind öffentliche Mittel. Der Fahrpreis ist damit auch eine politische Entscheidung der RMV-Gesellschafter, also der Städte in der Region.

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Was beim Blick auf den Regionalen Nahverkehrsplan des Verbunds positiver stimmt, ist der zunehmend lautstarke Widerstand gegen Lücken bei der Finanzierung von Bahnen und Bussen. Zuletzt ist ja zum Beispiel deutlicher geworden, dass der bloße Erhalt der Schieneninfrastruktur für die in Rhein-Main prognostizierte wachsende Beliebtheit der S-Bahn nicht ausreicht. Kapazitätsgrenzen sind auf RMV-Strecken längst erreicht, eine weitere Optimierung ist kaum möglich.

Die entscheidende Frage, die vor allem in Berlin beantwortet werden muss: Wie sollen notwendige Projekte wie die nordmainische S-Bahn und der Ausbau des Schienenknotens Frankfurt kräftiger angestoßen werden, wenn der Bund 2015 in die „große ÖPNV-Pokerrunde“ einsteigt und mit seiner Verzögerungstaktik schon jetzt bei kommunalen Planern für Verunsicherung sorgt?

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Erneut zeigt sich: Städte und Länder müssen noch viel vehementer in einer Protestwelle fordern, dass der Infrastruktur endlich der erforderliche Rang eingeräumt wird. Ausufernde Planungsverfahren und wackelnde Finanzierungszusagen sind den Bürgern nicht mehr zu vermitteln.

Quelle: op-online.de

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