Schüler mobben im Internet

Kommentar: Weltweite Klowand

Ist sie die größte Schlampe? Schwanger? Eine geile Sau? Die Betreiber einer Internetseite haben es geschafft: Weil jeder, der halbwegs schreiben kann, auf ihrer Seite solches Geschwätz verbreiten kann, genießt ihr Machwerk derzeit eine Menge Aufmerksamkeit. Von Alexander Klug

Und lässt den Blutdruck vieler Eltern nach oben schnellen. Denn viele Schüler schreiben über Schüler, was das Achtklässlervokabular hergibt. Und vieles, was da zu lesen steht, ist nicht nett, sondern oft böse, beleidigend; schlicht: dumm. Aber gerade deswegen sind Hysterie und Aktionismus (nicht zum ersten Mal) die falschen Reaktionen: „Birgit macht’s mit Thomas“ stand schon auf unzähligen Schulklo-Wänden.

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Internetseiten dieser Art bieten in Zeiten des sonst gerne gepriesenen Web 2.0 genau das: eine weltweite Klowand. Das ist nicht schön, vielleicht sogar hässlich, aber nicht zu verhindern. Betreiber in Neuseeland, den USA oder auf Mauritius bekommt man kaum zu fassen; auch auf „seriösen“ Daten-Tauschbörsen wie Facebook oder SchülerVZ wird gelästert, gehänselt, fertiggemacht. Und verschwindet eine Schmuddel-Seite, macht irgendwo eine neue auf.

Klingt nach Resignation, ist aber pragmatisch gemeint: Kein Weg führt daran vorbei, statt Energie für sinnlose Aufregung zu verschwenden, mit den Kindern am Umgang mit dem „neuen“ Medium zu arbeiten. Selbst dabei sein, ausprobieren, erklären, Selbstbewusstsein aufbauen, die Bedeutung von solchem Schmutz erklären – und eben auch einmal sagen „Es gefällt dir und mir nicht, was da steht. Aber wir müssen es ertragen.“ Das nützt im echten wie im digitalen Leben.

Quelle: op-online.de

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