Einfach mal Gassi gehen

Kommentar zum „Shitstorm“ nach Schüssen auf Hunde

Zwei bissige Kampfhunde laufen frei durch die Rüsselsheimer Innenstadt. Die Polizei versucht, die Hunde einzufangen. Vergeblich. Die Tiere greifen zwei Männer an. Schließlich erschießt ein Polizist die American Staffordshire Terrier. Soweit die Fakten. Von Ralf Enders

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Es geht um Tiere. Das heißt, die Emotionen vieler Zeitgenossen kochen naturgemäß hoch. Es geht um tote Tiere. Das heißt, die Emotionen kochen über. Denn was sich - unabhängig von richtiger oder falscher Vorgehensweise der Polizei - nach der Aktion am Ort des Geschehens und vor allem in den vermeintlich sozialen Netzwerken abspielt, ist mehr als skurril. Ein regelrechter Traueraltar mit Kerzen, Blumen, Gedichten und Kondolenzkarten steht in der Fußgängerzone. „Würdet ihr auch ein spielendes Kind erschießen?!“ heißt es auf einem Plakat. Im Internet beten harmlosere Hundefreunde online für die toten Tiere, andere stoßen Morddrohungen gegen die „Schlächter“ aus. Für morgen ist eine Demonstration angekündigt, zu der sich via Facebook bereits tausende Tierfreunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angekündigt haben.

Das ist mal ein „Shitstorm“, der seinen Namen verdient. Denn es fällt schwer, an sich zu halten und nicht zu fragen: „Leute, seid ihr eigentlich noch bei Trost?“ Man darf, ohne Freund der Polizei zu sein, davon ausgehen, dass kein Polizist gerne auf Hunde schießt, dass kein Polizist gerne in einer belebten Innenstadt Schüsse abgibt. Dennoch sind bei der Staatsanwaltschaft Anzeigen gegen die Beamten eingegangen. Diese werden nun geprüft. Gut so.

Bilder von Protesten in Rüsselsheim

Protest gegen Hunde-Erschießung in Rüsselsheim

Den hyperventilierenden Wutbürgern sei gesagt: Das Netz bitte nicht als Plattform für verbale Schießwut missbrauchen. Runterkommen, durchatmen, vielleicht mal mit dem Hund Gassi gehen. Aber bitte angeleint.

Quelle: op-online.de

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