Sondieren in Hessen

Kommentar: Ernsthaft befreien

Große Koalition, CDU und Grüne oder doch Rot-Grün-Rot? Die entscheidenden Sondierungsgespräche auf dem Weg zu einer neuen Landesregierung stehen an. Von Peter Schulte-Holtey

Was auffällt: Linke und Grüne lassen fast keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig den Appetit auf Rot-Grün-Rot zu verderben. Auch die von vielen politischen Beobachtern so gern beschriebene schwarz-grüne Ehe ist derzeit (noch) nicht erkennbar. In der Flughafen-Frage sind die Spitzenleute sehr weit auseinander. Die Sozialdemokraten haben es besonders schwer. In Berlin besteigen sie gerade das gemeinsame Boot mit den Christdemokraten, in Wiesbaden befürchten sie aber bei einer Großen Koalition in gefährliches Fahrwasser zu geraten. Hessens SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel hat sicherlich Recht, wenn er feststellt, dass eine Einigung erst möglich ist, wenn auf Bundesebene über die künftigen Finanzzuweisungen an die Länder entschieden wurde. In Hessen wird man wohl nicht über einen Koalitionsvertrag entscheiden können, wenn nicht klar ist, was in Berlin festgelegt wurde.

Alles zur Landtagswahl in Hessen lesen Sie im Stadtgespräch

In der politischen Küche in Wiesbaden ist ja schon so manches Interessante entwickelt worden; zum Beispiel 1985 das Überraschungsbündnis zwischen SPD und Grünen. Diesmal sind die Abhängigkeiten von den jeweiligen Bundesparteien derart groß, dass es wieder eine erstaunliche Koalition geben könnte. Wie wäre es, wenn die Grünen in Hessen plötzlich - angefeuert durch Realos in Berlin - glaubhaft machen würden, dass sie sich vom überholten rot-grünen Lagerdenken ernsthaft befreien wollen?

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Kommentare