Sparkurse für Museen

Kommentar: Ungeliebte Kinder

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Michael Eschenauer

Im „Riverside Financial District“ am Frankfurter Mainufer schießen Büros und Nobel-Wohnungen in die Höhe. Geworben wird für sie auch mit dem Verweis auf großstädtisches Flair, auf Kultur satt in Steinwurfweite. Von Michael Eschenauer

Es ist mehr als nur Ironie, es ist Symptom, dass exakt hier der seit vielen Jahren immer wieder versprochene und schließlich wegen Geldmangels gestrichene Erweiterungsbau für das Museum der Weltkulturen entstehen sollte. Gleichzeitig wird auf der anderen Mainseite die Stadt Offenbach vom Profi-Fußball, namentlich den Offenbacher Kickers, selbstbewusst für eine weitere Steigerung ihres finanziellen Engagements in die Pflicht genommen. Geld für Kultur wäre also genug da, doch entweder befindet es sich auf der „falschen“ Seite oder es fließt in Vorhaben, die eben nichts mit Kultur zu tun haben. Jetzt klagt der hessische Museumsverband über finanzielle Bedingungen, die vielen Häusern die Luft abschnüren.

Unverzichtbare Einrichtungen

Man wird ausgehungert oder gleich geschlossen. Aus diesem Anlass muss daran erinnert werden, dass Museen unverzichtbare Einrichtungen sind - nicht „nur“ für die Vermittlung von Kultur, sondern von veritabler Bildung. Sie stellen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft, bedeutsame Standortfaktoren dar. Folglich dürfen sie in den Kommunen nicht nur als freiwillige Aufgaben eingestuft werden. Gerade im Frankfurter Raum sprießen Kooperationsmodelle wie der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Derartiges muss ausgebaut werden.

Gewiss: Der Spardruck ist groß und die Notwendigkeit, im Bereich der öffentlichen Hand weniger Geld auszugeben, alternativlos. Nicht jedes Museum muss unbedingt erhalten werden. Das Stellen der Sinn-Frage hat bei jedem neuen Vorhaben seine Berechtigung.

Aber dies kann nicht alles sein. Noch immer fühlen sich Museen nicht zu Unrecht als ungeliebte Kinder. Ihnen gebührt mehr Wertschätzung, ein höherer Bedeutungskoeffizient, wenn es bei Haushaltsberatungen um die Frage geht: „Was bleibt und was muss gehen?“

Quelle: op-online.de

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