Streik der Lufthansa-Piloten

Kommentar: Nur ein Weg aus Dilemma

Lufthansa-Chef Carsten Spohr muss die Fluggesellschaft umbauen, um sie zukunfts- und krisenfest zu machen. Dies ist unstrittig. Von Achim Lederle

Die deutsche Vorzeige-Airline fliegt nämlich in ihrem Kerngeschäft, der Passagier- und Frachtbeförderung, Verluste ein. Ein Grund dafür ist die staatlich unterstützte arabische Konkurrenz wie Emirates, die komfortabel und günstig vor allem Asien ansteuert. Auch die Billigflieger wie Ryanair machen der Lufthansa seit Jahren das Leben schwer.

Auf staatliche Zuwendungen kann die „Deutsche“ Lufthansa nicht bauen. Im Gegenteil: Die Luftverkehrssteuer verteuert Tickets von deutschen Airports, und die unsinnige Subventionierung von Regionalflughäfen freut nur die Billigflieger-Konkurrenz. Also muss Lufthansa im Konzern umsteuern. Dies hat Carsten Spohr richtig erkannt. Seine Ziele sind ehrgeizig: Die Lufthansa soll künftig sowohl eine Billigairline als auch ein Luxusflugunternehmen sein. Für das erste Ziel sollen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert und in Österreich mit der Eurowings eine neue Billiglinie installiert werden, die Piloten zu deutlich geringeren Gehältern beschäftigt.

Dass die (noch) hoch bezahlten Lufthansa-Piloten dagegen Sturm laufen, ist klar. Sie fürchten zum einen um ihre Pfründe, zum anderen aber auch um Sicherheitsstandards. Spohr plant nämlich auch, Flugschulen zusammenzulegen und die Ausbildung zu straffen. Flugschüler, die bereits ihre Ausbildung begonnen haben, sehen sich um ihre Perspektiven gebracht. Für sie bleiben nur die Billigflieger, die Tür zur „Luxus-Lufthansa“ mit dem begehrten Konzerntarifvertrag ist ihnen verschlossen, wie Spohr unmissverständlich deutlich gemacht hat.

Dies alles erzeugt Frust, das heißt Streiks. Die Piloten haben wenig zu verlieren; nun drohen sie sogar mit regelmäßigen Ausständen bis zum Jahresende. Die Lufthansa packt umgehend die Brechstange aus und will die Streiks gerichtlich verbieten lassen – vorerst ist sie damit gescheitert. Ausbaden müssen dieses Chaos die Fluggäste und in letzter Konsequenz auch die Lufthansa: Wenn der Piloten-Streik zur Dauereinrichtung wird, werden sich viele Passagiere abwenden und mit anderen Airlines fliegen.

Wo liegt die Lösung? Spohr hat die Kampfeslust der Piloten unterschätzt. Die Flugkapitäne sind die wichtigsten Mitarbeiter der Lufthansa. Ohne sie wird der notwendige Umbau scheitern, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Spohr muss die Bedenken der Piloten ernst nehmen und zusammen mit ihnen einen Kompromiss finden. Gegen den Dauer-Widerstand der Flugkapitäne wird er gar nichts erreichen. Neue Gespräche mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten leben können, sind der einzige Weg aus dem Dilemma.

Quelle: op-online.de

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