Urteil zur Südumfliegung

Kommentar: Im Westen nur noch Ruhe?

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Michael Eschenauer

Frankfurt - Am Tag, als die Südumfliegung fiel, kannten die Sektkorken in Mainz-Kastel, Ginsheim, Trebur, Groß-Gerau oder Nauheim nur eine Richtung: nach oben. Daumen hoch, die Ruhe kommt! Doch so einfach ist die Lage nicht. Von Michael Eschenauer

Das Urteil lenkt den Blick auf eine Fragein der zweiten Reihe. Wie sollen die Flugzeuge denn nun fliegen, wenn sie Richtung Westen abheben? Ein direktes Überfliegen von Raunheim oder Rüsselsheim verbietet sich. Dann könnte man die Städte gleich total räumen. Eine Reaktivierung der alten Abflugkorridore direkt nach Nordwesten würde Einschränkungen bei Landungen auf der Nordwest-Landebahn bedeuten.

Die jetzt als „unsicher“ bewertete Südumfliegung hatte gar nicht unoriginell versucht, die Zahl der Lärmopfer möglichst gering zu halten. Leider bescherte ihr das gleich zwei Sicherheitsprobleme - mit landenden Fliegern auf der Nordwest-Landebahn und startenden auf der 18-West. An dieser Zwickmühle scheiterte die Deutsche Flugsicherung. Vorerst.

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Das Konzept der abwechselnden Starts überzeugte die Richter nicht und mindert auch die Leistungsfähigkeit des Abflugsystems. Zwar stellt sich derzeit das Problem der Kapazitätsbeschränkungen angesichts eines stagnierenden Flugverkehrs nicht. Aber wehe wenn die Zahlen wieder steigen! Dann muss eine Lösung her. Gekippt wurde die Südumfliegung aus Sicherheitserwägungen, nicht weil sie idyllische Regionen verlärmt. Sie wurde gekippt, weil die Praxis nicht mit der Theorie übereinstimmt. Sie wurde gekippt weil die Richter glauben, dass die anvisierten 126 Starts und Landungen pro Stunde mit diesem Konzept niemals zu erreichen sind. Es geht um Leistung, nicht um Lärmschutz. Klar, das Urteil ist eine Ohrfeige für den Flughafen, aber es ist auch ein Rückschlag für Fluglärmbewegte.

Der Weg aus der Bredouille für die Flugsicherung könnte angesichts fehlender Alternativen so aussehen, dass man nun in Ruhe die Südumfliegung optimiert. Man war ja schon dabei, die Führung der Maschinen technisch so zu verbessern, dass hier Sicherheit nicht auf Kosten der Kapazität gehen muss. Was bedeutet das für die Sekttrinker vom Dienstag? Die Flieger werden wahrscheinlich ganz in der Nähe bleiben. Der Sekt ist alle. Ob es neuen gibt, fraglich.

Quelle: op-online.de

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