Kommentar: Verbot keine Lösung

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Siegfried Michel

Prinzipiell ist an dem Vorstoß der hessischen SPD auf den ersten Blick nichts auszusetzen. Mit einer Gesetzesänderung wollen die Sozialdemokraten dafür sorgen, dass die Abgabe von Alkohol zwischen 22 und fünf Uhr untersagt ist. Von Siegfried Michel

Das Ziel: Gebremst werden soll so der Trend zum Komasaufen unter Jugendlichen sowie zu nächtlichen Gelagen auf öffentlichen Plätzen. Eigentlich erscheint es sinnvoll, dass man derartige Exzesse nicht noch dadurch befördert und erleichtert, dass nächtens an der Tanke um die Ecke oder im bis 24 Uhr geöffneten Supermarkt laufend Nachschub besorgt werden kann.

Auf den zweiten Blick aber zeigt sich, dass ein derartiges Verbot nicht zur grundsätzlichen Lösung der Probleme führen dürfte, sondern nur zu leichten Verbesserungen. Denn: Wenn nach 22 Uhr kein Alkohol mehr gekauft werden kann, dann decken sich die, die sich betrinken wollen, eben schon vor 22 Uhr ein. Es käme es also nur zur einer zeitlichen Vorverlegung.

Ein wichtiges Argument gegen das geplante Verbot kommt vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: „Nur weil einige wenige aus der Reihe fallen, muss man nicht die ganze Bevölkerung mit einem Verbot bestrafen.“ Das ist richtig. Denn viele Verbraucher schätzen es, dass sie in der Nacht noch einkaufen können - und dann zum Beispiel auch mal eine gute Flasche Wein. Sinnvoller als wieder einmal ein neues Verbot, bei dem auch noch alle Bürger über einen Kamm geschoren würden, ist der weitere Ausbau der Aufklärung. Wichtig ist zudem, dass die Einhaltung der schon bestehenden Gesetze zum Jugendschutz in Sachen Alkohol verstärkt kontrolliert wird.

Quelle: op-online.de

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