Nur eine kleine Party

Kommentar: Verzicht und Gewinn bei der EZB

Der Verzicht auf eine pompöse Riesenfeier zur Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank ist weise - und vielleicht sind sie in ihren gläsernen Doppeltürmen ja sogar selbst drauf gekommen. Von Michael Eschenauer

Wenn nicht, waren es eben die angekündigten Proteste, die Sicherheitsbedenken angesichts zum Teil gewaltbereiter Demonstranten aus ganz Europa, die die Banker bewogen haben, durch eine kurzfristige Absage des Spektakels dem Risiko hässlicher Bilder an diesem Ehrentage völlig aus dem Wege zu gehen. Egal wie die Entscheidung zustande kam: Angemessen in dieser Zeit, in der EZB, EU-Kommission und IWF mit ihrer harten Sanierungspolitik viele Menschen in Spanien, Italien und Griechenland in ein recht armseliges Leben zwingen, ist nur eine bescheidene Zeremonie. Die „Austeritätspolitik“ der Troika mag angemessen sein oder nicht, ihre Auswirkungen sind dennoch allabendlich in den Nachrichten zu besichtigen: Schlangen vor Suppenküchen, Meldungen über katastrophale Jugendarbeitslosigkeit und steigende Selbstmordraten. Die Protestbewegung von Blockupy wird diese Bilder bei den Kundgebungen am 18. März vor sich hertragen. Es kann nicht im Interesse der EZB liegen, wenn sie sich mischen mit Fotos vorfahrender Nobelkarrossen, sekttrinkender Anzugsträger und 100 Meter Feinschmecker-Büfett.

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Es gibt nicht wenige, die den Neubau der Euro-Bank für einen genialen architektonischen Wurf halten, sich aber von der scheinbar zu Glas, Beton und Gigantismus geronnenen Selbstüberschätzung dieser Institution abwenden. Die EZB-Zentrale in Frankfurt ist nun mal so, wie sie ist. Und vielleicht ist sie ja sogar gut so, wie sie ist. All das kann man nicht mehr rückgängig machen. Das Auftreten ihrer Akteure aber sollte gerade in diesen Tagen von Zurückhaltung geprägt sein. Dies wird nun wohl geschehen. Man könnte allerdings noch mehr tun: Was spricht eigentlich dagegen, dass die EZB den 18. März umfunktioniert zu einem Tag der öffentlichen Auseinandersetzung mit ihren Kritikern? Zu reden und zu klären gäbe es genug. Und ein Symbol wäre das allemal.

EZB-Neubau nähert sich dem Ende

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Quelle: op-online.de

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