Im Ernstfall abgestumpft

Kommentar zu Warnmeldungen im Netz

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Ralf Enders

Offenbach - Wer hat Angst vorm weißen Bulli? Niemand! Und wenn er kommt? Dann schreiben wir! Und zwar was die Tastatur hergibt. Auf Facebook, WhatsApp, Twitter oder ganz altmodisch per E-Mail oder SMS. Hauptsache schnell, Hauptsache an viele, Hauptsache Aufmerksamkeit. Von Ralf Enders

Blöder Scherz, Kettenbrief, Hoax oder urban legend – egal, wie man es nennt, es ist kontraproduktiv. Im besten Fall sind die Warnungen vor vermeintlichen Kinderschändern noch gut gemeint, in der Regel sind sie Panikmache. Denn bei Eltern bewirken die schnellen Zeilen mit ihren vielen Ausrufezeichen außer Angst und Empörung wenig. Vor allem jüngere Kinder aber lassen sich von der Unruhe in Schule und Familie leicht anstecken, gehen mit einem mulmigen Gefühl aus dem Haus, haben Angst vor nichts.

Moderne Märchen erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Es geht um Spinnen in Yucca-Palmen, Katzen in der Mikrowelle oder die Asche der Großmutter als Pizza-Gewürz. Das mag unterhaltsam oder gruselig sein. Aber in jedem Lieferwagen eine Gefahr für Kinder zu sehen, schürt unnötig Ängste und führt zu einer Abstumpfung vor realen Gefahren. Freilich ist eine Warnung zu viel besser als eine zu wenig. Und freilich ist das Internet ohnehin voll von ungeprüften Informationen und Unsinn. Aber die Unbeschwertheit und Sicherheit von Kindern sind zu wichtige Themen, um sie Panikmachern zu überlassen.

Was man heute über das Internet wissen muss

Quelle: op-online.de

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