Diese Flucht ist überflüssig

Kommentar zum Wechsel Thüringens zum Hessischen Rundfunk

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Frank Pröse

Offenbach - Wenn das nicht aufhorchen lässt. Thüringens SED-Nachfolger in der Landesregierung erwägen die Flucht gen Westen, prüfen einen Wechsel von der Dreiländeranstalt Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) zum Hessischen Rundfunk (hr). Von Frank Pröse

Und weil ein solches Unterfangen selbst ohne antifaschistischen Schutzwall einer gründlichen Vorbereitung bedarf, wird es vor 2021 nicht vollendet werden können. Schließlich sind Veränderungen in der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft politisch hochbrisant. Da wird mit Haken und Ösen um den Proporz gekämpft, um Einfluss und Pöstchen gerungen - und über allem steht letztlich noch ein Staatsvertrag.

Wer jetzt glaubt, der in Erfurt diskutierte Austritt aus dem MDR hätte etwas mit einer sinnvollen und überfälligen Konzentration in der staatlich kontrollierten Medienlandschaft zu tun, der befindet sich beim falschen Sender. Wieder einmal gibt es Streit um Kinkerlitzchen, um die Frage nämlich, ob das digitale Kinderradio in Halle oder beim TV-Kindertkanal „Kika“ in Erfurt angedockt wird - eine Petitesse angesichts der sonst beim MDR geplanten Reformen.

Und deswegen die Flucht nach Westen mit einer Vorbereitungszeit von sechs Jahren? Lächerlich! In dieser Zeit könnte man die Öffentlich-Rechtlichen komplett umkrempeln, stellt sich doch die Frage, wie unverzichtbar sie alle angesichts einer wachsenden Zahl kommerzieller Angebote im TV noch sind. Nicht wenigen Gebührenzahlern ist die Sonderstellung von ARD und ZDF schließlich auch deswegen ein Dorn im Auge, weil sie diese eben allzu selten durch ein entsprechend gehaltvolles Programm rechtfertigen.

Quelle: op-online.de

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