Lösen alte Büros die Wohnungsnot?

Kommentar: Druck aus Markt nehmen

Not macht erfinderisch. Hier läuft ein Test, der das Wohnen in einem alten Gebäude der Offenbacher IHK zum Gegenstand hat, dort entstehen in vorher ungenutzten Bürokomplexen in Niederrad Wohnwaben für Arbeitskräfte. Von Michael Eschenauer

Die Menschen verlassen den ländlichen Raum und drängen in den Ballungsraum Rhein-Main. In Großstädten wie Frankfurt wächst die Bevölkerungszahl jedes Jahr um die Größe einer Kleinstadt - rund 15.000 Menschen. Doch wie soll die Nachfrage befriedigt werden? Selbst in der Mainmetropole, wo eine ambitionierte schwarz-grüne Stadtregierung seit neuestem „powert“, was das Zeug hält, kommen pro Jahr nicht mehr als 3000 bis 4000 neue Quartiere dazu. Die Entwicklung neuer Baugebiete dauert Jahre, größere Neubaugebiete wie das Europaviertel und der Riedberg sind bald gefüllt, neue größere Areale nicht in Sicht. Man schließt kleinere Brachen, und der Blick der Frankfurter Stadtplaner hat bekanntermaßen schon die Umlandgemeinden, namentlich Offenbach, als „Siedlungsraum“ ins Auge gefasst.

Die Nachfrage lässt die Preise steigen. Will sich Frankfurt nicht durch „Mondmieten“ bevölkerungspolitisch die Luft abschnüren, muss die Stadt tausend Blumen blühen lassen. Eine davon ist die Nutzung von Büroraum als Wohnraum. Wenn in Frankfurt mindestens eine Million Quadratmeter Büros leerstehen, sollte dieser Raumschatz schleunigst gehoben werden - durch mehr Beratung von und Werbung bei Eigentümern von Büroimmobilien, durch klare Richtlinien, was wie genutzt werden darf, sowie durch eine Bestandsaufnahme dessen, was überhaupt zur Verfügung steht.

Eines aber muss von Anfang an klar sein: Es geht um relativ hochpreisige Eigentumswohnungen. Billiger Miet-Wohnraum ist durch die Konversion nicht zu erwarten. Dazu fordern die Investoren zu hohe Renditen. Und nur sie sind in der Lage, die hohen Kosten derartiger Objekte zu stemmen. Der Nutzen umgebauter Büroräume kann also ausschließlich darin liegen, Druck aus dem Markt zu nehmen. Davon aber würde indirekt auch die Mittelstandsfamilie profitieren. Die Herstellung von Wohnraum findet in unserem Ballungsraum in vielen Werkstätten statt. Die Nutzung leerstehender Büros fürs Wohnen ist eine davon.

Quelle: op-online.de

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