Nicht abwiegeln und wegschauen

Kommentar: Gewalt in Flüchtlingslagern

Es stimmt natürlich, dass die Zustände in heillos überfüllten Sammelunterkünften auch die Geduldsfäden lammfrommer Pazifisten zum Zerreißen spannen können. Abwiegeln und wegschauen wäre allerdings die dümmste Reaktion. Von Lorenz von Stackelberg

Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen können einerseits das Bild vom bedauernswerten Opfer beschädigen, das für die Akzeptanz in der Bevölkerung unerlässlich ist, andererseits Ausdruck grundsätzlicher Probleme sein, die im Interesse einer funktionierenden Gesellschaft allerhöchste Aufmerksamkeit erfordern.

Flüchtlingsunterkünfte sind keine isolierten Inseln, sondern oftmals Abbild der Welt, die die Menschen hinter sich gelassen haben – mit ihren Befindlichkeiten und Konflikten, die nicht einfach am Eingang abgestreift werden. Man muss nicht einmal die vielbeschworenen Dschihadisten bemühen oder religiösen Hass. In den Unterkünften sammeln sich auch ethnischer Sprengstoff, psychische Probleme und Kriminalität. Wer weiß schon, ob der unscheinbare junge Mann in der Ecke in seinem früheren Leben ein braver Bürger war, ein Mörder, ein Vergewaltiger?

Flüchtlings-Unterkünfte in Flammen: kein Ende der Anschläge

Eine Separierung von christlichen und muslimischen Flüchtlingen oder bestimmten Volksgruppen mag, falls überhaupt Platz zur Verfügung steht, eine Kurzfrist-Option sein, die nichts daran ändert, dass diese Menschen lernen müssen, miteinander auszukommen. Wichtiger dürfte sein, Frauen und Kinder vor (sexueller) Gewalt und Unterdrückung zu schützen.

Grundsätzlich aber muss jedem, der hierzulande Zuflucht sucht, unmissverständlich klargemacht werden, dass er sich an deutsches Recht und Gesetz zu halten hat, will man nicht die bisher beispiellose Toleranz und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung aufs Spiel setzen und Zündlern Brennstoff liefern. Jede Fehlentwicklung, die nicht schon in den Flüchtlingslagern bekämpft wird, kann die Gesellschaft teuer zu stehen kommen.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Strohfeldt

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