Frauen verzweifelt gesucht

In Kommunalpolitik mangelt es an Weiblichkeit

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Der Anteil der Frauen in den Parlamenten liegt bei knapp 30 Prozent.

Wiesbaden/Offenbach - Mehr Frauen in kommunalen Parlamenten würden die Volksvertretungen repräsentativer machen - und für die Gesellschaft interessanter. Aber Frauen tun sich oft schwer mit einem Ehrenamt in der Politik. Dafür gibt es Gründe. Von Andrea Löbbecke

Allen Quoten und einem jahrzehntelangen Kampf um Gleichberechtigung zum Trotz: Frauen sind in der Kommunalpolitik in Hessen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Speziell bei kleinen Parlamenten in den Gemeinden oder Ortsbeiräten haben die Parteien Schwierigkeiten, Bewerberinnen für ein politisches Ehrenamt zu gewinnen. Die möglichen Gründe: Ungünstige Termine für die Sitzungen, mangelndes Selbstbewusstsein und eine andere Streitkultur. „Leider schaffen wir es nicht immer, alle für Frauen vorgesehenen Plätze auch mit Kandidatinnen zu besetzen“, sagt die frauenpolitische Sprecherin der hessischen Grünen, Bettina Hoffmann. Dies wäre bei den Grünen die Hälfte der Listenplätze. Etwa ein Drittel dieses Kontingents müsse mangels Bewerberinnen an einen Mann gehen.

Bei den Kandidatenlisten für die hessischen Kommunalwahlen am morgigen 6. März schwankt der Frauenanteil über alle Parteien hinweg zwischen 28 Prozent in den Gemeinden und 29 Prozent bei den Kreistagen, wie das Statistische Landesamt ausgerechnet hat.

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Auch die hessische Landesvorsitzende der Linken, Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, erklärt: „Wir schaffen es nicht überall.“ Die Linken haben ebenfalls eine 50-Prozent-Quote. Während Männer oft selbst ernannte Experten für Kommunalpolitik seien, trauten sich Frauen die Aufgabe nicht zu und müssten gedrängt werden, sagt Scheuch-Paschkewitz. „Haben die Frauen dann ein Amt inne, sind sie oft die aktiveren.“ Die Männer in den Kommunalparlamenten begegneten ihr überwiegend mit Respekt - allerdings gab es auch schon Chauvinismus-Alarm. So habe vor ein paar Jahren ein älterer Parlamentarier angemahnt, die Frauen des Hauses sollten sich doch hübsch kleiden. „Ich bin dann ans Rednerpult gegangen und habe etwas entgegnet. Danach war Ruhe“, erzählt die Parteivorsitzende.

Nach der Einschätzung von Hoffmann schreckt die Art der politischen Debatten potenzielle Bewerberinnen ab. Frauen arbeiteten mehr konsens- und ergebnisorientiert, während in den Parlamenten viel polarisiert werde, „einer gegen den anderen“. Allerdings müssten hier nicht die Frauen ihre Streitkultur ändern, sondern die Gremien, fordert Hoffmann.

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Säßen mehr Frauen in den kommunalen Parlamenten, dann würden die Volksvertretungen auch repräsentativer, erklärt Judith Kolbe von der Landesarbeitsgemeinschaft hessischer Frauenbüros. „Und diese Vielfältigkeit der Parlamente würde auch dazu führen, dass sich die Bevölkerung besser wiedererkennt.“ Neben Frauen seien weitere gesellschaftliche Gruppen unterrepräsentiert, etwa Menschen mit ausländischen Wurzeln oder Behinderte. Die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin in Frankfurt, Renate Wolter-Brandecker (SPD), hat beobachtet, dass es beispielsweise bei Ortbeiratswahlen schwierig ist, genug Kandidatinnen zu finden. Bei vielen sei die politische Arbeit nur schwer mit Familie und Beruf vereinbar.

Bei den CDU-Fraktionen in den hessischen Kommunalparlamenten werde jedes fünfte Mandat von einer Frau wahrgenommen, sagte die Landesvorsitzende der Frauen Union, Petra Müller-Klepper. Das müsse noch besser werden. Bei den anstehenden Kreistagswahlen hätten sich viele CDU-Verbände an die parteiinterne Quote gehalten und bei den sicheren Plätzen auf jeden dritten eine Frau gesetzt. Die Parlamente sollten nach den Worten von Müller-Klepper ihre Arbeitsstrukturen straffen und könnten dadurch für Frauen - und auch Männer - attraktiver werden.

„Oft wird genau zur Zu-Bett-Geh-Zeit der Kinder getagt“, kritisiert Scheuch-Paschkewitz. Sie habe mal den Samstagnachmittag als Termin vorgeschlagen, was bei den Männern auf wenig Gegenliebe stieß. „Da sind oft die Treffen der Feuerwehr.“

Quelle: op-online.de

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