„Händeringend“ Wohnraum gesucht

Kommunen: Wohin mit den Flüchtlingen?

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Sicherheitskäfte bergen nach dem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa die Leichen.

Offenbach - Bei dem Flüchtlingsdrama vor der italienischen Insel Lampedusa sind etwa 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Rufe nach einer neuen Flüchtlingspolitik in Europa werden lauter. Von Ralf Enders

Das würde mehr Flüchtlinge auch für Deutschland bedeuten, auch für Hessen und auch für die Region. Doch der letzte in der Reihe hat wie immer Pech, die Situation in den Kommunen ist angespannt. „Wir suchen händeringend Unterkünfte“, sagt Carsten Müller (SPD), Sozialdezernent und Kreisbeigeordneter im Kreis Offenbach. 356 Menschen seien derzeit in Gemeinschaftsunterkünften an acht Standorten untergebracht. „Die sind schlichtweg voll“, sagt Müller; 32 weitere Flüchtlinge wohnen bereits in Hotels oder Pensionen. Die Lage wird sich verschärfen, denn Müller weiß, dass Hessen dem Kreis bis Ende des Jahres 300 weitere Menschen „zuweisen“ wird. Die leben derzeit noch in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Der Kreis habe bereits – relativ erfolglos – Makler eingeschaltet.

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Seit drei bis vier Jahren steige die Zahl der Flüchtlinge wieder. Die meisten kommen derzeit aus Somalia, Eritrea, Syrien und Afghanistan, aber auch aus dem Kaukasus, etwa Tschetschenien. Müller betont jedoch, dass die aktuellen Zahlen kein Vergleich zu den 90er-Jahren sind, als vor allem durch die Kriege in Bosnien und dem Kosovo deutlich mehr Menschen nach Deutschland kamen. In der Tat: Der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ zufolge zählte Deutschland im vergangenen Jahr rund 65.000 Flüchtlinge, in diesem Jahr werden etwa 100.000 erwartet. Mitte der 90er-Jahre hatte Deutschland weit mehr als 300.000 aufgenommen. Damals verdienten sich Firmen eine goldene Nase, die in einer frühen Form der Public Private Partnership für die überforderten Kommunen Asylheime errichteten und betrieben. Auch heute müssen Städte und Kreise die Schwankungen bedenken.

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Die Stadt Offenbach hat das Problem in dieser Form nicht. Weil das Soll aus dem Zuweisungsverfahren schon lange erfüllt ist, gibt es laut der stellvertretenden Sozialamtsleiterin Dagmar Wiegand „seit Jahren“ keine Neuzuweisungen mehr, sondern lediglich Einzelfälle im Rahmen der Familienzusammenführung. Andernorts muss man sich jedoch auf steigende Zahlen einstellen. Die Hanauer Pressesprecherin Andrea Freund erwartet eine „immer schwierigere“ Suche nach Wohnraum und fordert mehr Unterstützung von EU, Bund und Land. Auch Frank Horneff, Pressesprecher des Kreises Darmstadt-Dieburg, berichtet von Engpässen. 806 Flüchtlinge leben derzeit im Kreis, 70 davon in Dieburg und 55 in Eppertshausen. Ist die Aufnahme weiterer Flüchtlinge überhaupt möglich? Horneff: „Sie muss möglich sein, weil weitere Flüchtlinge kommen werden.“

Quelle: op-online.de

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