Kameras an öffentlichen Plätzen

Kommunen: Video-Überwachung nimmt zu

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Frankfurt/Wiesbaden/Kassel/Fulda - Immer mehr hessische Kommunen überwachen öffentliche Plätze mit einer Videokamera. Laut Statistiken werden an überwachten Orten weniger Straftaten registriert.

Die Videoüberwachung in hessischen Kommunen nimmt zu. In 15 Städten sind laut Innenministerium derzeit 18 Anlagen mit insgesamt 102 Kameras auf öffentliche Plätze gerichtet, 3 weitere Anlagen sollen in diesem Jahr noch folgen - in Bad Vilbel, Karben und Wetzlar. Zum Vergleich: 2009 hatte es in elf Städten elf Überwachungsanlagen zur Kriminalitätsbekämpfung gegeben.

Die Erfolge können sich nach Darstellung der Verantwortlichen sehen lassen. An den überwachten Kriminalitätsschwerpunkten gab es 2012 insgesamt 1800 Straftaten, 2006 waren es mehr als doppelt so viele gewesen (3976). Die Videoüberwachung sei "ein wirkungsvolles Instrument zur Abschreckung von potenziellen Tätern und zur Aufklärung von Straftaten", sagte Innenminister Boris Rhein (CDU). Er sprach sich für den Ausbau der Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten aus.

Frankfurt: Überwachung an Konstablerwache und Hauptbahnhof

Auch der Frankfurter Polizei hilft die Videoüberwachung, abzuschrecken und Straftaten aufzuklären. Wie eine Umfrage der dpa ergab, werden zwei Stellen in der Stadt mit Kameras beobachtet: Der Platz vor dem Hauptbahnhof und der Platz an der Konstablerwache in der Innenstadt, beides früher stadtbekannte Dealertreffs.

An der Konstablerwache habe sich die Zahl der registrierten Straftaten seit Beginn der Videoüberwachung 2002 mehr als halbiert, berichtet die Polizei. 2002 waren dort 475 Taten gezählt worden, im vergangenen Jahr waren es 223. Am Bahnhofsvorplatz sank die Zahl von 675 Taten im Jahr 2010 auf 577 im vergangenen Jahr. Zwar weichen vor allem Drogendealer nun auf Nebenstraßen aus - aber für sogenannte ad-hoc-Delikte wie Körperverletzung gilt das nach den Erfahrungen der Polizei nicht. "In diesen Fällen denkt keiner daran, dass irgendwo eine Kamera sein könnte", sagte ein Polizeisprecher. Die Bilder aus den Kameras hätten zum Beispiel bei der Aufklärung einer gefährlichen Körperverletzung aus dem April 2012 geholfen. Der Täter wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

Rückgang der Straftaten in Wiesbaden

Auch die Landeshauptstadt Wiesbaden überwacht das Geschehen auf zwei öffentlichen Plätzen, und zwar vor dem Hauptbahnhof und am Platz der deutschen Einheit. "Wir haben dort einen erheblichen Rückgang der Straftaten", sagte die zuständige Dezernentin, Birgit Zeimetz (CDU). Dies sei aber nicht ausschließlich der Videoüberwachung zuzurechnen. Am Platz der deutschen Einheit gelte auch ein Alkoholverbot. "Es sind meistens mehrere Maßnahmen, die zu so einer Entwicklung führen", sagte Zeimetz. Sie setze vor allem auf die vorbeugende Wirkung: Wenn sichtbar Kameras und Hinweisschilder installiert seien, gebe es weniger Straftaten. Pläne, weitere Plätze zu überwachen, gebe es derzeit aber nicht.

In Kassel wird der Bereich "Am Stern" in der Innenstadt - früher ein bekannter Drogenumschlagsplatz - mit insgesamt drei 360-Grad-Kameras von der Polizei überwacht. "Seit dieser Zeit hat sich die Lage entspannt. Der Rückgang der Straftaten ist ein Beleg, dass es abschreckend wirkt", sagte Wolfgang Jungnitsch von der Polizei Kassel. Seit der Installation der Kameras Ende 2002 habe es immer wieder kleine Erfolge bei der Auswertung der Bilder gegeben. Vor allem Drogengeschäfte seien so aufgeflogen, aber auch ein Raub und ein Verkehrsunfall konnten aufgeklärt werden. Nach seinen Angaben werden die Bänder nach drei Tagen gelöscht.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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In Darmstadt wirft die Polizei per Video-Kamera unter anderem einen Blick auf die als gefährdet eingestufte Synagoge. Was die Kamera verrät, bleibt aber aus taktischen Gründen geheim. Der beliebte Luisenplatz - ein Verkehrsknotenpunkt in Darmstadts Mitte - wird zwar überwacht, doch nicht aus polizeilichen Gründen. Die Kameras, die an hohen Masten hängen, dienen nach Angaben des Nahverkehrsunternehmens Heag mobilo nur dazu, den Verkehr zu beobachten. "Es sind Live-Kameras, aufgezeichnet wird nichts", sagte Sprecherin Silke Rautenberg. Ähnliches gibt es an vielen Straßenbahn-Haltestellen in Hessen.

In Fulda hat die Polizei per Kamera zwei Plätze in der Innenstadt im Blick. Gesichtet werden die Aufnahmen in der zentral gelegenen Stadtwache. Man habe dadurch eine schnellere Aufklärung und auch eine Minderung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten erreicht, sagte Harald Merz von der Stadt. Die Videoüberwachung sei von den meisten Bürgern akzeptiert, es gebe damit keine Probleme. In Marburg sind keine Kameras installiert.

(dpa)

Quelle: op-online.de

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