Kommunen klagen gegen neue nächtliche Flugrouten

Heusenstamm/Darmstadt - Die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen wird in einem halben Jahr fertig, der neue Tower geht in einigen Wochen in den Testbetrieb. Immer noch tobt der Streit um die neuen Flugrouten. Jetzt gibt es neue Klagen. Die Flugsicherung versteht die Aufregung nicht.

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Die Diskussion um die neuen Flugrouten ist auch ein halbes Jahr vor Eröffnung der neuen Landebahn in vollem Gang. Dabei geht es vor allem um die Lärmbelastung, die auch nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) zunehmen wird: „Wenn mehr Flugverkehr ist, wird es auch mehr Lärm geben“, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Auch Verschiebungen des Lärmteppichs wird es geben, denn wegen der neuen Landebahn im Nordwesten müssen andere Routen geflogen werden, damit startende und landende Maschinen sich nicht ins Gehege kommen.

Sieben Kommunen im Südosten des Airports reichten nach Mitteilung vom Freitag Klage beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel ein. Sie verlangen absolute Nachtruhe zwischen 23 Uhr und fünf Uhr. „Die Flugrouten-Rechtsverordnung verletzt die Planungshoheit der betroffenen Städte und Gemeinden“, sagte Anwalt Thomas Mehler. Es gebe schon genug Lärm, etwa durch die Autobahn 3 (Köln-Würzburg). Zu der Klage zusammengeschlossen haben sich Heusenstamm, Rodgau, Obertshausen, Neu-Isenburg, Seligenstadt, Hainburg sowie Alzenau in Bayern.

Städte sehen sich als Verlierer

Die Städte sehen sich als Verlierer des sogenannten segmentierten Anflugverfahrens, das seit Mitte Februar getestet wird. Nach diesem Verfahren fliegen nach DFS-Angaben nachts bei gutem Wetter ankommende Maschinen einen größeren Bogen und entlasten damit Offenbach, Mühlheim, Hanau und Mainz.

Flugzeuge auf dem Weg nach Norden und Westen sollen nach dem Start in Frankfurt künftig eine weite Südkurve fliegen und Abstand zu Rüsselsheim, Mainz und Wiesbaden halten. Diese Variante der sogenannten Südumfliegung reichte die Deutsche Flugsicherung am Freitag beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) zur Genehmigung ein. Damit schließe sich die Flugsicherung dem Beschluss der Fluglärmkommission aus der vergangenen Woche an, sagte Raab. Die von Rheinland-Pfalz ins Spiel gebrachte Variante nach Nordosten sei nicht möglich, weil sie über Industriegebiete führe.

Neue Nordwestlandebahn soll im Herbst in Betrieb gehen

DFS-Sprecher Raab versteht die Aufregung über die geplanten neuen Routen nicht. Sie seien seit 2002 bekannt - jahrelang habe sich kaum jemand dafür interessiert. Der gesetzliche Auftrag der DFS laute, den Flugverkehr „sicher, geordnet und flüssig“ zu organisieren. Unzumutbarer Lärm solle vermieden werden - aber „es steht nirgends, was unzumutbar ist“, sagte Raab.

Die neue Nordwestlandebahn soll im Herbst in Betrieb gehen. Sie erhöht die Kapazität des Flughafens von derzeit 82 Starts und Landungen pro Stunde auf 120. Der neue, 34 Millionen Euro teure Tower geht Mitte Mai in den Testbetrieb. Die hessische Landesregierung hatte ursprünglich zugesagt, Nachtflüge seien tabu - in der Ausbaugenehmigung wurden dann aber 17 Ausnahmen vorgesehen. Über das Nachtflugverbot entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig voraussichtlich noch in diesem Jahr.

dpa

Quelle: op-online.de

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