Kommunen verfehlen bei Wohnungsbau und Gewerbeansiedlung Ziele

Viel erträumt, wenig verwirklicht

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Symbolbild

Frankfurt - Die 75 Kommunen des Regionalverbands FrankfurtRheinMain bleiben bei der Nutzung von Flächen für Wohnen oder Gewerbe weit hinter ihren eigenen Zielen zurück. Von Michael Eschenauer 

Von den im Jahre 2010 im Flächennutzungsplan festgelegten Wachstumsreserven in Höhe von rund 4400 Hektar wurden 90 Prozent nicht entwickelt. „Dynamik und ein organisches Wachstum sind gut für eine Kommune“, versuchte der beim Regionalverband für die Planung zuständige Beigeordnete Thomas Horn (CDU) bei der Vorstellung des Flächenmonitoring-Jahresberichts 2015 den Kommunen Mut für neue Pläne zu machen. Gleichzeitig hob er das Positive des geringen Flächenverbrauchs gerade im Ballungsraum hervor. So liege man im Planungsgebiet mit 0,8 Hektar pro Tag deutlich unter dem Hessendurchschnitt von 3,1 Hektar. Die politisch gewünschte Verdichtung innerstädtischer Bereiche senke zwar den Verbrauch von Landschaft, sei aber für die Lokalpolitik wegen hoher Widerstände oft nur schwer oder gar nicht durchsetzbar. Dies gelte für Bauprojekte jeder Art.

Aus dem Bericht geht hervor, dass von im Jahre 2010 reklamierten 2338 Hektar für Wohnbaufläche bis Ende 2014 noch 2100 Hektar zur Verfügung standen. Bei den Gewerbeflächen sind es 1830 von einst eingetragenen 2060 Hektar. Nur 23 Prozent der Regionalverbands-Fläche sind besiedelt. „Das bedeutet: Die Wachstumsdynamik der Region könnte aufgefangen werden“, so Horn. Die größten Reserven für den Wohnungsbau liegen mit 273 Hektar in Frankfurt. In Rodgau warten 93, in Hanau 89, in Offenbach 84 Hektar auf den Bagger. Die größte geplante Wohnungsbaufläche liegt im Rodgau zwischen den S-Bahnhaltepunkten Jügesheim und Hainhausen. Sie umfasst 58 Hektar.

Konkurrenz zwischen Wohnen und Gewerbe

Horn, der die „durchgrünte Struktur“ der Ballungsregion – drei Viertel der Fläche sind Acker, Wald oder Grünfläche – als großen Standortvorteil sieht, betonte, dass die Konkurrenz zwischen Wohnen und Gewerbe deutlich zunehme. Es werde für die Kommunen immer attraktiver, Raum für Wohnungen bereitzustellen. Firmen sähen mittlerweile die Flächenknappheit als größtes Entwicklungshindernis noch vor Lärm oder Geruchsemissionen. Ziel müsse es sein, „für das Gewerbe hochwertige Flächen bereitzustellen“. Wichtig für den Verband sei es ferner, innerstädtische Siedlungslücken zu schließen, so Horn. Bei den Gewerbearealen existiert hier ein Fundus von 380 Hektar. Auch bei Wohnbereichen gebe es Baulücken. Hier will man durch spezielle Erfassungsmethoden den lokalen Gremien bei der Entscheidung helfen. Hanau hat wegen der aufgegebenen Areale für US-Streitkräfte größere Umwandlungspotenziale im Innenbereich, in Frankfurt und Offenbach stehen einst gewerblich genutzte Areale für eine den Landschaftsverbrauch senkende Konversion zur Verfügung. Die größten Gewerbeflächenpotenziale liegen in Frankfurt mit 216 und in Hanau mit 160 Hektar.

Großzügig Wohnen auf einer Ebene - Comeback des Bungalows

Erstmals erfasst das Flächenmonitoring die Gebäudetypen. Im Verbandsgebiet stehen derzeit 1,3 Millionen Gebäude, in 380 000 davon wohnen Menschen. 51,3 Prozent der Wohngebäude sind Einfamilienhäuser. Es folgen die Reihenhäuser mit 18,2 Prozent, die Doppelhäuser mit 17,6 Prozent. Mehrfamilienhäuser schlagen mit 8,4 Prozent zu Buche, und die Hochhäuser (ab 22 Meter Höhe) machen ganze 0,2 Prozent der Gebäude im Planungsgebiet aus.

Quelle: op-online.de

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