1500 Experten sprechen über „Smart Cities“

Wie lebt es sich künftig in Städten?

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Frankfurt - Wie lässt sich das Zusammenleben in den Mega-Städten der Zukunft effizient gestalten? Dies ist ein Kernthema des VDE-Kongresses „Smart Cities“, zu dem 1 500 Experten aus aller Welt in Frankfurt zusammen gekommen sind. Von Achim Lederle 

Die Städte der Welt werden immer voller: 2050 sollen 9,6 Milliarden Menschen auf der Erde leben, davon 6,4 Milliarden in Städten, wie der VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik) voraussagt. Es werde 41 Megastädte geben, die Tokio mit heute 38 Millionen Einwohnern klein erscheinen ließen. Neue Konzepte und Lösungen für das Zusammenleben seien gefragt, um in diesen Ballungsräumen auf nachhaltige Weise eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. „Die Elektro- und Informationstechnik werden dabei eine zentrale Rolle spielen und gleichzeitig große wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenziale erschließen. Für Deutschland eröffnet sich aufgrund seiner großen Systemkompetenz und seiner leistungsfähigen Hochschul- und Forschungslandschaft die Chance, Leitanbieter auf dem globalen Markt für Smart-City-Systemlösungen zu werden“, so der VDE.

Um intelligente Lösungen für das Leben in der Zukunft zu erarbeiten, debattieren seit gestern über 1 500 Experten aus der ganzen Welt beim zweitägigen VDE-Kongress „Smart Cities“ in Frankfurt. Der Kongress will einen umfassenden Überblick über neueste Technologie-, Anwendungs- und Normungstrends, aber auch über technologie- und forschungspolitische Herausforderungen geben.

Fast niemand kann etwas mit „Smart City“ anfangen

Zum Auftakt des Kongresses wurden gestern die Ergebnisse einer repräsentativen VDE-Studie zum Thema „Smart City“ präsentiert. 84 Prozent der Bürger können laut VDE mit diesem Begriff nichts anfangen. Gleichwohl versprächen sich sechs von zehn Befragten von intelligent vernetzen Städten - so die etwas umständliche deutsche Übersetzung einer „Smart City“ - höhere Lebensqualität, mehr Ressourceneffizienz und einen besseren Umweltschutz. Die größten Hindernisse auf dem Weg sind laut Studie die hohen Kosten und die IT- und Datensicherheit. Der wissenschaftliche Tagungsleiter Professor Ingo Wolff, der auch im VDE-Präsidium sitzt, unterstrich gestern, dass bei aller Vernetzung die Privatspähre des Einzelnen gewahrt werden müsse. „Es geht nicht um totale Überwachung des Menschen, sondern Überwachung der Systeme des Zusammenlebens“, so Wolff.

Obwohl zahlreiche Deutsche laut VDE-Studie dem Thema Smart Cities aufgeschlossen gegenüber stehen, sind viele bei konkreten Anwendungen im Haushalt skeptisch. Wichtiger Bestandteil einer intelligenten Stadt ist laut VDE das Smart Home, sprich die intelligente Heimvernetzung. 62 Prozent der Befragten hätten gerne ein modernes Energiemanagement und könnten sich für die Vernetzung von Photovoltaik-Anlage, Energiespeicher und Heizung durch intelligente Steuerungstechnik begeistern. 51 Prozent der Befragten wünschten sich zwar Hausautomation, das heißt die automatische Fernsteuerung von Fenstern, Jalousien oder Heizung. Große Vorbehalte gebe es aber gegen vernetzte und ferngesteuerte oder programmierte Elektrohaushaltsgeräte.

„62 Prozent wünschen sich intelligente Haushaltsgeräte wie Herd, Kühlschrank, Waschmaschine oder Kaffeeautomat dezidiert nicht“, heißt es beim VDE. Hier bestehe dringender Aufklärungsbedarf. „Die Industrie muss den Verbrauchern den tatsächlichen Mehrwert durch das Smart Home und die Maßnahmen zur Datensicherheit aufzeigen“, sagte VDE-Vorstandsvorsitzender Hans Heinz Zimmer.

Beim Kongress unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll mit über 100 Vorträgen und acht Themenschwerpunkten ein intensiver Wissensaustausch rund um die Stadt der Zukunft erfolgen. Ein Themenblock ist zum Beispiel die „Infrastruktur der Smart City“, wo der Fokus auf die Grundlagen gerichtet wird: auf die Infrastrukturen für die Ver- und Entsorgung, die Information und Kommunikation und die Mobilität in den Städten. Auch das Thema Sicherheit spielt eine wichtige Rolle. Informationssicherheit sowohl bei Infrastrukturen als auch der Schutz der Privatsphäre werden erörtert, aber auch, wie eine bessere Nutzung von Informationen zur Erhöhung der Sicherheit in Städten beitragen kann.

Quelle: op-online.de

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