Konsumgütermesse Ambiente

Alles so schön bunt hier

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Pretty in Pink: Mit der an die 1920er Jahre angelehnten Linie „Boudoir“ zielt Hersteller Kare auf ein weibliches Publikum.

Frankfurt - Fünf Tage lang ist die Konsumgüterwelt zu Gast in Frankfurt. Auf der Messe Ambiente werden bis zum 11. Februar die aktuellen Trends für Heim und Herd vorgeführt sowie tausende Geschenkideen präsentiert. Von Christian Riethmüller

Liebhaber knalliger Farben dürfen sich freuen, alle anderen müssen die Augen zukneifen: Pink und Rosa sind die Trendfarben der Saison - zumindest wenn man vielen der insgesamt 4724 Aussteller aus 89 Ländern glauben will, die auf der Konsumgütermesse Ambiente in den Frankfurter Messehallen ihre Produkte ausstellen. Ob nun bei Möbeln, Heimtextilien oder Porzellan, überall wird das modebewusste Farbbekenntnis abgegeben. Selbst der Weihnachtsbaum soll am Ende dieses Jahres Pink und Rosa tragen. So stellt es sich zumindest der fränkische Anbieter Drescher vor.

Bis Weihnachten ist es zwar noch etwas hin, doch würde zum Fest auch der zweite Farbtrend passen, der dem Besucher der Ambiente unweigerlich ins Auge springt. Zum Golde zieht es ihn hin. Wie einst zu Großmutters Zeiten zieren nun wieder unterschiedlich breite Goldränder Porzellan und Gläser. Auch goldfarbenes Besteck ist auf vielen der kunstvoll dekorierten Tische in jenen Hallen zu sehen, die dem Segment „Dining“ gewidmet sind. Selbst Vasen, wie jene der neuen, von Sebastian Herkner gestalteten Rosenthal-Serie „Collana“ oder auch die beliebten Thermoskannen der dänischen Design-Marke Stelton sind nun im edelmetallenen Look (gold, silber, kupfer) zu haben.

Keine Langlebigkeit

Eine Papst-Franziskus-Figur mit integrierter Solarzelle

Auf optische Langlebigkeit wird in diesem Farbenrausch, der auch unbedingt die Farbtöne Mint und Koralle mit einschließt, allerdings nicht geachtet. Schließlich soll der trendbewusste Konsument ja auch im nächsten Jahr Nützliches und Unnützes für das traute Heim erstehen. Welchen Lebenszyklus etwa ein rosafarbenes Geschirrservice des sonst für Produkte von ruhig-dezenter Eleganz bekannten rheinland-pfälzischen Herstellers ASA Selection haben wird, wäre interessant zu erfahren. „Wir zielen da schon auf den weiblichen Single-Haushalt“, sagt eine Sprecherin, „ebenso wie mit unserer Linie Beauty.“ Diese Linie greift die Formen von Kosmetikartikeln auf. Eine Vase erinnert da an einen Lippenstift, eine andere an ein Nagellackfläschchen.

Von bereits vorhandenen Formen hat sich auch der kolumbianische Designer Rodolfo Agrella bei seiner Linie „Shadow“ für den Erbacher Produzenten Koziol inspirieren lassen. Die Form seines Kochbestecks erinnert an Holz und Horn, während eine von ihm entworfene Salatschüssel samt dazugehörigem Besteck an tropische Vegetation denken lässt. Alles so schön bunt hier, ließe sich an vielen Ausstellerständen in den Bereichen „Dining“ und „Living“ sagen, die selbstverständlich auch allerhand Gediegenes, Praktisches oder gar Unentbehrliches für den Haushalt zu bieten haben - und dies zudem in unauffälligeren Farben als Pink.

Da fehlt nur der päpstliche Segen

Porzellanserie „Beauty“ von ASA Selection

Ob es all die vielen schönen und skurrilen Dinge, die es im Bereich „Giving“ zu sehen gibt, tatsächlich „braucht“, ist vermutlich eine philosophische Frage. Romantiker werden sich gewiss an einem USB-Stick für Songs im MP3-Format erfreuen, dessen Hülle aussieht wie eine Audio-Kassette, die zudem mit der Hand beschrieben werden muss. Radfahrer dürften angesichts des so winzigen wie genialen Magnetlichts „Lucetta“ begeistert sein. Und faulen Gewürzfans könnten die Salz-und-Pfeffer-Roboter „Bots“, die selbstständig über den Tisch wackeln, wie gerufen kommen.

Fehlt eigentlich nur noch päpstlicher Segen oder wenigstens ein Gruß. Und selbst den kann sich bei Sonnenschein erhoffen, wer die Dekofigur „Solar Papst“ sein eigen nennt. In Gestalt von Papst Franziskus winkt die mit einer Solarzelle ausgestattete Figur freundlich, sobald sie im Sonnenlicht steht.

Die Ambiente 2014 dauert bis Dienstag, 11. Februar. Öffungszeiten: Fr - Mo 9 bis 18 Uhr, Di 9 bis 17 Uhr. Zutritt nur für Fachbesucher.

Quelle: op-online.de

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