Nena in der Batschkapp

Nur die Enkel fehlen

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Mädchenhaft mit 55 Jahren: Nena zeigt in der Frankfurter Batschkapp, dass sie sich immer wieder neu erfinden kann.

Frankfurt - Pop-Queen Nena lädt zu einem intimen Club- Konzert in die Batschkapp und stellt mit ihrem aktuellen Album „Oldschool“ unter Beweis, dass Madonna nicht die einzige „Petra Pan“ des Pop-Business ist. Von Peter H. Müller

Das Motto des bald 55-Jährigen ewigen Mädchens: Bleib frisch, sing darüber - und guck zurück nach vorn. Gut 600 Fans sind davon fast beseelt und feiern eine Reise durch drei Karrierejahrzehnte, die mit dem Elektro-Beat-Gemenge von Rapper Samy Deluxe ein nächstes Kapitel aufschlagen.

36 Jahre auf der Bühne, rund 25 Millionen verkaufte Tonträger, zu gleichen Teilen „Neue Deutsche Welle“-Ikone und alterslose Kultfigur - Gabriele Susanne Kerner, das Hagener Girlie, das einst im Berliner Kreativlabor von Jim Rakete strandete, ist längst ein Teil der deutschen Popkultur. Auch weil sie sich immer wieder neu erfindet.

Nach einer erklecklichen Bühnen-Pause als omnipräsente Castingshow-Jurorin und Coach der eigenen Großfamilie hat sie sich nun wieder auf ihre Kerngeschäft konzentriert und mit „Oldschool“ eine ziemlich monothematische Platte eingespielt, die fröhlich augenzwinkernd um die eigene Jugendlichkeit kreiselt.

Es passt irgendwie zu dieser Attitüde, dass in der wilden Nena-Family-Band eigentlich nur noch die Enkel fehlen: Auf der von einer neunköpfigen Truppe mit DJ und Backvocals dicht bevölkerten Bühne tummeln sich gleich drei Stammhalter/innen: Keyboarder Simeon sowie die Zwillinge Larissa und Saskia, die im Chor eifrig für Hüpfburg-Einlagen sorgen - „absolut freiwillig“, wie die Mama später beteuern wird.

Naivität und Leichtigkeit

Da ist ihr Club-Konzert, das so etwas wie einer von insgesamt 15 Lackmus-Tests für die große Tournee-Sause im Spätherbst sein soll, schon fast zwei Stunden alt - und sie hat mit der urtypischen Mixtur aus entwaffnender Naivität und Leichtigkeit alles dafür getan, eben nicht das zu sein, was ihr Album-Titel orakelt. Altmodisch? Nein, doch nicht Nena, die selbst beim nostalgischen Blick zurück moderner, hipper klingt als diverse junge Kolleginnen.

Was mit „Noch einmal“ und „Lieder von früher“ eröffnet, um im üppigen Zugabenblock mit „Wunder gescheh´n“ und „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ ins Finale einzubiegen, ist auch ein Statement in eigener Sache: Seht her, das angeblich alte Eisen glüht unverdrossen - und es biegt sich in ganz neue Soundformen. Rock, Pop, New Wave, ein paar Punk- und Techno-Elemente, dazu immer wieder die wummernden Dancegrooves, Bowie-Gitarren und Rap-Einlagen.

Promifrauen und ihre jungen Hüpfer

Promifrauen und ihre jungen Hüpfer

Das mag bei umjubelten Gassenhauern wie „Nur geträumt“, „Leuchtturm“ oder „99 Luftballons“ ein wenig gewöhnungsbedürftig tönen, tut dem Konzert als Ganzes aber gut. Und wenn es zwischendurch melancholisch wird und „Bruder“ - der Song für ihren 1989 verstorbenen Sohn Christopher - die Party-Atmosphäre einfriert, kann sich Nena auch auf ihre Fans verlassen.

Die meisten derer, die hier astronomische 75 Euro für einen Stehplatz investiert haben, kennen Antiquitäten wie „Ecstacy“, das anno 1979 noch mit der Hagener Combo „The Stripes“ eingespielt wurde. Nena selbst ist denn auch permanent noch ergriffener, als sie es ohnehin immer ist und kommt aus dem „Dankeschööön“-Skandieren kaum noch heraus. Am Ende bleibt nur kollektiver Jubel, und die Erkenntnis: Nena ist zurück, auch wenn sie nie weg war.

Quelle: op-online.de

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