Kooperation statt Wettbewerb

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Kooperation statt Wettbewerb: Die Oberbürgermeister der Städte Offenbach (Horst Schneider, links), Frankfurt (Petra Roth, 2. von links), Darmstadt (Walter Hoffmann) und Wiesbaden (Helmut Müller, 2. von rechts) setzen auf Zusammenarbeit. In der Mitte FAZ-Lokalchef Matthias Alexander, der die Diskussion leitete.

Frankfurt ‐ Die Städte Offenbach und Frankfurt werden nicht fusionieren - zumindest derzeit nicht. Das Kennzeichen „OF“ bleibt also der Lederstadt vorbehalten und geht nicht als Abkürzung für „Ost-Frankfurt“ auf. Von Christian Riethmüller

Dabei war die gestern auf einer Podiumsdiskussion in Frankfurt gestellte Frage nach einem möglichen Zusammenschluss der beiden Kommunen gar nicht nur scherzhaft gemeint. Die leeren öffentlichen Kassen könnten nämlich dazu führen, dass in der Politik bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten doch einmal ernsthafter über die Verfasstheit des  Gemeinwesens etwa in Landkreise und kreisfreie Städte nachgedacht wird. Dieser Denkprozess könnte es mit sich bringen, dass Deutschland eine Überbürokratisierung attestiert und als Gegenmittel eine Verschlankung der öffentlichen Verwaltung verschrieben wird. Spätestens dann müssten sich beispielsweise benachbarte Städte bei der Organisation ihrer Aufgaben zusammenraufen.

In der Rhein-Main-Region ist man über diese Art der Rauferei schon längst hinaus. Nicht zuletzt wegen des 2001 von der hessischen Landesregierung verabschiedeten Ballungsraumgesetzes und der damit verbundenen Gründung des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main üben sich hier Städte und Gemeinden schon länger in den verschiedensten Formen der Kooperation. Darüber wollten sich gestern im Frankfurter Restaurant „Druckwasserwerk“ führende Vertreter der deutschen Immobilienwirtschaft bei einer von der Interessenvertretung „ZIA - Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.“ organisierten Podiumsdiskussion von ausgewiesenen Experten informieren lassen: den Oberbürgermeistern der vier größten Städte im Rhein-Main-Gebiet.

Führungsrolle wird Frankfurt zugesprochen

Glaubt man der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), dem Wiesbadener Stadtoberhaupt Helmut Müller (CDU), dem Offenbacher OB Horst Schneider (SPD) und seinem Darmstädter Kollegen Walter Hoffmann (SPD), dann ist die im Titel der Veranstaltung „Region Rhein-Main - Kooperation oder Wettbewerb?“ aufgeworfene Frage längst mit „Kooperation“ beantwortet, auch wenn die Qualität der Zusammenarbeit sicher unterschiedlich interpretiert wird.

Zumindest die Führungsrolle wird unumwunden Frankfurt zugesprochen. Als „Greater Frankfurt“ werde das Rhein-Main-Gebiet im Ausland beworben, erzählte Horst Schneider, der als Aufsichtsratsvorsitzender der mit dem umständlichen Namen versehenen „FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region“ die Trommel für die Region rührt. Petra Roth, die sich schon seit längerem für einen die Region charakterisierenden Begriff stark macht, weil sie im globalen Wettbewerb nur den Zentren eine Zukunft gibt, dürfte die Marke „Großraum Frankfurt“ sicher gefallen. Helmut Müller ist dagegen schon zurückhaltender, und das nicht nur, weil er als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt seine eigenen Stolz hat. Er plädierte für die Verständigung der Region auf ein gemeinsames Leitbild und empfahl ansonsten die Konzentration auf konkrete Projekte. Diese liefen ja erfolgreich, sagte Müller und nannte als gelungenes Beispiel den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Die Gelegenheit, vor zahlreichen Vertretern großer Immobilienunternehmen diskutieren zu können, wollten die Oberbürgermeister nicht ungenutzt verstreichen lassen und warben nebenbei für Investitionen in ihren Städten. Während Schneider den Offenbacher Westen und - über die Stadtgrenzen hinweg - gleich noch den Frankfurter Osten pries, offerierte Walter Hoffmann gleich 122 Hektar in Darmstadt, nämlich das Gelände, das früher die amerikanischen Streitkräfte nutzen.

„Wir müssen den globalen Zirkel im Kopf haben.“

Hoffmann regte mit einem „Architektursommer“ außerdem noch ein konkretes Projekt an, bei dem nicht nur die Kommunen in der Region mitwirken könnten, sondern auch die Immobilienwirtschaft eine Beteiligungsmöglichkeit fände.

Sein Wiesbadener Kollege griff den Gedanken des „Architektursommers“, der eine Mini-Variante der lange diskutierten, aber aus finanziellen Gründen abgesagten Internationalen Bauausstellung (IBA) sein könnte, mit Begeisterung auf - auch im Hinblick darauf, zu späterer Zeit doch noch eine IBA in der Region zu organisieren und dabei auf die Erfahrungen mit dem „Architektursommer“ zurückgreifen zu können. Sich gemeinsam dem Rest der Welt zu präsentieren, ist für die vier Oberbürgermeister offenkundig eine leichte Übung. Sie hätten ohnehin regelmäßigen persönlichen Kontakt und würden in den unterschiedlichsten Konstellationen für die Interessen der Region werben, hatte Petra Roth schon zu Beginn der Diskussionsrunde verraten.

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin gab auch die offizielle Losung für ihre Kollegen wie auch fürs Publikum aus: „Wir müssen den globalen Zirkel im Kopf haben.“ Denn die Entwicklung der Region werde von der globalen Wirtschaft gesteuert.

Quelle: op-online.de

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