Der „Korridor“ ist eine Institution im Viertel

Bild, Klang und Mode

+
Der Gitarrist und Komponist Rainer Michel und seine Frau, die Malerin Pei Li, bieten in ihrem Laden in Sachsenhausen Bilder, Klänge sowie Mode an und sind fürs Viertel gleichzeitig eine Anlaufstelle für spontane Konzerte, Filmvorführungen und Lesungen geworden.

Frankfurt - Die Produzentengalerie „Korridor“ in Sachsenhausen vereint auf ungewöhnliche Weise Bild, Klang und Mode. Von Detlef Kinsler

Ein echter Geschäftsmann wäre da anders rangegangen. So verlockend das Ladengeschäft für ihn auch gewesen wäre, er hätte sich vor allem gefragt, rechnet sich das bei der Miete, bringt mir ein größerer Laden mit größerem Angebot wirklich mehr Kundschaft? Rainer Michel hat das alles bestenfalls mal überschlagen. Dann ist er dem Reiz des Angebotes erlegen und von der Oppenheimer Straße quasi eine Tür weiter in die Schulstraße in Sachsenhausen gezogen. „Es ist wohl ein bisschen ein Lebensprinzip von mir, Dinge so fließen zu lassen und zu gucken wie sich das entwickelt“, erzählt der studierte Gitarrist, Musikdozent und Film-Komponist. „Vieles in meinem Leben lief und läuft so, sonst hätte ich den Laden nicht.“ Der „Laden“ heißt „Korridor“ und ist mit dieser Bezeichnung nur unzureichend beschrieben. Auf der Suche nach einer passenden Vokabel kreierte man den Begriff Produzentengalerie. Im Angebot: Bild. Klang. Mode.

Als Michel noch in Sachsenhausen wohnte, fiel ihm einige Häuser weiter ein Geschäft in einem Eckhaus auf. Mit attraktiv umkachelter Eingangstür. Als die Mieterin, eine Hobbygaleristin, aufgeben musste, sah er seine Chance. „Ich wollte zunächst nur ein Büro und einen Rückzugsort zum Komponieren“, erzählt der Frankfurter. „Aber dann ist die Pei aufgetaucht, die mich mit ihrer Malerei begeistert hat.“ Die junge Chinesin Pei Li, mit der Michel heute verheiratet ist, studierte zunächst in ihrer Heimatstadt Shenyang, kam dann zum Weiterstudieren nach Deutschland und zog schließlich von Kassel an den Main. Seit 2008 lebt sie als freischaffende Künstlerin in Frankfurt. Ihre phantasievollen Bilder fanden dann einen Platz zwischen vielen exotischen Instrumenten aus aller Welt. Kleine spontane Konzerte, Filmvorführungen mit musikalischer Untermalung durch eigene Kompositionen und Lesungen für Freunde und Kollegen ließen den privaten bald zu einem öffentlichen Raum werden.

Ein selbst gebauter Geigenbaum als akustisches Perpetuum mobile und selbst geschneiderte Kleider dienen gleichfalls als Blickfang. „Ich habe schon immer für mich selbst genäht“, erzählt Pei Li. Warum also nicht auch für andere?. Und so schauten immer mehr Neugierige auf dem Weg vom Eisernen Steg nach Sachsenhausen herein. Auch Nutzer des nahgelegenen Parkhauses sowie Besucher und Patienten des Elisabethen-Krankenhauses fühlen sich von der Musik, die immer aus dem Raum auf die Straße dringt, sowie den bunten Auslagen angezogen. „Im Viertel sind wir ja mittlerweile so etwas wie eine Institution“, freut sich Michel. Melancholie und Lebensfreude, ein wenig Nostalgie - aber ohne Retro-Kalkül - für all das und viel mehr stehe der „Korridor“, in dem zudem immer wieder Unvorhersehbares geschieht. Da wird die Rechtanwältin, die eigentlich zum Gitarrenunterricht gekommen ist, kurz mal zur Stil-Beraterin und ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft meint zu einer Kundin in grammatikalisch nicht lupenreinem Deutsch „Wenn ich dich wäre. würde ich das Kleid kaufen“, während die Dame, die sich im Spiegel begutachtet, überrascht feststellt, dass Michel sie dabei mit der Gitarre begleitet - mit Klängen wie aus einem Truffaut-Film.

Quelle: op-online.de

Kommentare