Koscheres auf Knopfdruck

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Für den Hunger zwischendurch: Automat mit koscheren Snacks im Flughafen Frankfurt.

Frankfurt - Rabbiner Mendel Gurewitz hat eine Sorge weniger. Seitdem es am Frankfurter Flughafen zwei Automaten mit koscheren Speisen gibt, bleiben verzweifelte Anrufe jüdischer Reisender aus, die in Frankfurt zwischenlanden und kurz vor dem Verhungern sind. Von Katharina Skalli

„Manchmal musste ich sogar zum Flughafen fahren und Essen vorbeibringen“, erzählt er. Das hat sich nun erledigt. Im Frühsommer 2010 entstand die Idee, die eigentlich nicht ungewöhnlich ist. Sie lag nahe, denn mittlerweile gibt es fast alles aus dem Automaten: Schokoriegel, Cappuccino, Kondome, Ballerinas, Fahrradschläuche, Kunst und sogar Grablichter.

Die Automaten mit den koscheren Produkten stehen im Terminal 1, in der Nähe der Synagoge und am Abfertigungsgate der Lufthansa für Flüge nach Israel. Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es Schokoladenriegel und Fruchtgummis ohne Gelatine. Aber auch wer größeren Appetit mitbringt und vielleicht länger schon nichts gegessen hat, weil nicht alle Fluggesellschaften koschere Gerichte anbieten, wird satt. Hinter dem hell beleuchteten Fenster warten außer Süßwaren noch Sandwiches und ganze Lunchboxen.

„Die Nachfrage war sehr groß“, sagt Rabbiner Mendel Gurewitz aus Offenbach. Die Lebensmittel kommen direkt aus seiner Gemeinde, die eng mit dem Betrieb „Max Koschere Lebensmittel“ verknüpft ist. So kann Gurewitz genau darauf achten, was in den Automaten landet. „Es ist sehr schwierig und sehr teuer, sich in Deutschland koscher zu ernähren“, sagt der Fachmann. Er und seine Familie fahren einmal im Monat nach Straßburg, um einzukaufen. „Dort leben mehr religiöse Menschen und die Stadt ist auf deren Bedürfnisse eingerichtet.“

Gezahlt wird per Kreditkarte

Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben bei der Nahrungsmittelzubereitung viel zu beachten. Das Fleisch darf nur von einem Tier stammen, das zu den Wiederkäuern zählt und gespaltene Hufe hat. Fische müssen Flossen und Schuppen haben, damit man sie essen darf und Eier und Milch dürfen nicht mit Blut in Berührung gekommen sein. Außerdem dürfen die Tiere beim Schächten nicht leiden. Nur wenige Lebensmittelhändler können für die Einhaltung all dieser Regeln garantieren. Denn schwierig wird es schon bei Brot und Milchprodukten, weiß Gurewitz, der sozusagen Geistlicher und Lebensmittelfachmann in einer Person ist.

Zusammen mit der „3F: Food Factory Frankfurt“ und der Werbeagentur „Die Ideenschupser“ aus Darmstadt wurde aus Wunschtraum Wirklichkeit. Und zumindest die Reisenden haben es leichter, sich koscher zu ernähren. Zwischen 1,60 Euro und 5,20 Euro kosten die Produkte, die per Knopfdruck erhältlich sind. Dabei klappern keine Münzen durch den Schlitz. Gezahlt wird per Kreditkarte. Die Betreiber, die „3F: Food Factory Frankfurt“ beobachten die Entwicklung genau, aber schon jetzt gibt es Überlegungen auch an anderen Standorten die zertifizierten Automaten aufzustellen. „Wir sind noch in der Experimentierphase“, sagt Geschäftsführer Matthias Müller. „Bisher gibt es noch keine Erfahrungswerte, auf die wir zurückgreifen können.“

Tatsächlich gibt es in ganz Deutschland und Europa kein vergleichbares Konzept. Auch Rabbiner Gurewitz kennt einen solchen Automaten nur aus Tel Aviv. Anrufe von Reisenden bekommt der Rabbiner noch immer. Aber jetzt fragen sie ihn, wann der Automat wieder aufgefüllt wird.

Quelle: op-online.de

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