Kreativ auf 10 Quadratmeter

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Kimberley Unser bei der Arbeit in ihrer Mini-Küche.

Frankfurt - Was immer man sich unter einer „feenhaften, aber selbstbewussten Küche“ vorstellen mag - die Restaurant-Kritiker des französischen Gourmet-Führers „Gault Millau“ jedenfalls erklärten die 26-jährige Köchin Kimberley Unser in der deutschen Ausgabe mit diesen Worten zur „Entdeckung des Jahres“. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Seitdem empfängt die zierliche Frau nicht nur Gäste im „Seven Swans“, die ihre kreativen Menüs genießen; sondern auch Journalisten, die einen Blick in die Küche werfen wollen.

Allzu viel Platz haben sie da nicht, denn das „Seven Swans“ am Frankfurter Mainufer ist in einem hohen, aber sehr schmalen Haus untergebracht, Unsers Reich misst keine zehn Quadratmeter. Doch die Köchin ist auf kleinem Raum gut organisiert. Während die Küchenmaschine frische Cranberries püriert, wuchtet Unser einen riesigen Topf mit Entenkeulen vom Herd, Grundlage eines leckeren Confit.

Unser wurde im Hunsrück geboren, ist in Oppenheim am Rhein groß geworden und war nach dem Abitur erst mal ratlos. Ein Soziologie-Studium konnte sie nicht fesseln, eher ihre Nebenjobs in der Gastronomie: „In der Küche fing ich an zu brennen“, beschreibt die junge Frau ihre Begeisterung, die sie zu einer Kochlehre im Hamburger Gourmet-Lokal „Artisan“ führte.

Ruhm als Entdeckung des Jahres

 Der neue Ruhm als Entdeckung des Jahres ist ihr noch etwas suspekt. Natürlich habe die Auszeichnung sie gefreut, „das hat ja auch wirtschaftliche Aspekte“. Das „Seven Swans“, zu dessen jungem Team außerdem Geschäftsführerin Helen Unsinn und die für den Service zuständige Suna Korap gehören, war bis zum Sommer ein privater Club, jetzt haben im normalen Restaurantbetrieb im dritten Stock zwischen 14 und 18 Gäste Platz. Unter 100 Euro pro Person dürfte man kaum wegkommen, da muss die Qualität Abend für Abend stimmen. „Das Wichtigste ist doch, dass der Gast einen schönen Abend hat“, sagt Kimberly Unser in ihrer unprätentiösen Art, mit der sie nach kurzem Nachdenken auch die Frage nach ihren Vorbildern beantwortet: „Leute, die ganz konsequent ihr Ding machen und jeden Tag ihr Bestes geben, ob im Luxuslokal oder in der Imbissbude.“

Die Köchin, die nur selten nach Rezept kocht, immer neue Kreationen auf ein harmonisches Miteinander testet, legt Wert auf exquisite Qualität der Zutaten. Ihre Menüs wiederholt sie nie: „Man hat doch immer einen anderen Geschmack, es würde nicht genauso schmecken.“ Vor Weihnachten kombinierte sie zum Beispiel weißen Heilbutt mit gelber und roter Beete, Kokosnuss und Ingwer und Geflügelleberravioli mit Haselnuss, Petersilienwurzel und Zimt.

Das Gehabe des ein oder anderen Fernsehkochs („dazu kann ich nichts sagen, ich sehe kaum Fernsehen“) ist ihr fremd. „Für mich selbst koche ich selten, ich liebe es, wenn andere etwas für mich zubereiten. Aber es ärgert mich, wenn es schlecht gemacht ist.“ Daheim in Oppenheim kommt das offensichtlich nicht vor, am liebsten isst Unser nämlich „alles, was meine Mutter mir kocht.“

Quelle: op-online.de

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