Kommentar zum Krippenplatzausbau

Kommentar: Anspruch und Wirklichkeit

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Christian Riethmüller

Das Geschrei wird groß sein. Nicht nur bei Ben und Mia, von denen man anderes auch gar nicht erwarten würde. Schließlich sind die beiden noch Babys und kaum ein Jahr alt. Von Christian Riethmüller

Doch am 1. August dieses Jahres werden auch viele Eltern all jener Mias, Bens, Emmas, Lucas – oder wie Kinder heutzutage in Deutschland sonst benamt werden – ins Wutgeschrei einstimmen; dann nämlich, wenn sie für ihr kleines Kind eben keinen Krippenplatz bekommen, obwohl auf diesen ab Anfang August ein Rechtsanspruch besteht.

Aber zwischen klafft eine große Lücke. Trotz aller Anstrengungen werden viele Kommunen zum Stichtag längst nicht die beabsichtigte Anzahl Krippenplätze für jedes Kind ab dem ersten Lebensjahr zur Verfügung stellen können.

Gerade in Ballungsräumen problematisch

Gerade in Ballungsräumen dürfte sich an diesem Zustand so schnell nichts ändern, was noch unliebsame Folgen haben könnte. Nicht allein, dass Eltern in größeren Städten längst mehrere Dutzend Bewerbungen an verschiedene Kitas verschicken müssen, dabei mitunter absurde Aufmerksamkeitswettbewerbe veranstalten, indem sie etwa Lebensläufe ihrer Neugeborenen verfassen („Hobbys: Nuckeln und Schlafen“) und trotzdem keine Antwort von überlasteten Einrichtungen erhalten. Diese Eltern könnten sich nämlich auch überlegen, den Bewerbungsmarathon einfach sein und gleich den Anwalt von der Leine zu lassen. Nicht umsonst fürchtet der Hessische Städtetag eine Klageflut gegen die Städte als örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die Kosten in Millionenhöhe verursachen wird.

Auch qualifizierte Erzieher fehlen

Doch nicht nur diese Prozesse werden Geld und Ressourcen verschlingen. Denn auf die Schnelle bereitgestellte Ersatzangebote werden nicht den erwünschten Qualitätskriterien entsprechen, was für weiteren Unmut sorgen dürfte. Dass zudem auch noch qualifizierte Erzieher für all die gewünschten Krippen fehlen, passt zur Lage um ein ehrgeiziges Gesetz, bei dessen Ausformulierung ein Taschenrechner gute Dienste hätte leisten können. So bleibt nur das Geschrei.

Quelle: op-online.de

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