Krise bedroht Lehrstellenmarkt

Frankfurt - Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in Hessen 2008 leicht entspannt, für dieses Jahr zeichnen sich jedoch Auswirkungen der Wirtschaftskrise ab.

Die Zahl der Lehrlinge sei im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent gestiegen, stärker als im Durchschnitt der westlichen Bundesländer, sagte der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch gestern in Frankfurt. Er sprach sich dafür aus, den Pakt für Ausbildung fortzusetzen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und wegen der Wettbewerbsfähigkeit sei es nötig, dass die Unternehmen ausbilden, erklärte Posch bei der Vorstellung einer Studie zur betrieblichen Ausbildung in Hessen 2008 des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK).

Im vergangenen Jahr seien in Hessen etwa 2 150 500 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen, heißt es in der Studie. Dies sei ein Anstieg im 1,2 Prozent. Davon seien 104 600 in der Ausbildung gewesen, eine Zunahme um 2 100 oder 2,1 Prozent.

Die Situation habe sich weiter leicht verbessert, erklärte Professor Alfons Schmid vom IWAK. Die Zahl der neuen Lehrverträge sei aber um 1,6 Prozent gesunken. Schmid betonte, dass mehr Ausbildungsplätze angeboten worden seien als nachgefragt wurden. In der Studie heißt es: „Es ist jedoch anzunehmen, dass der Ausbildungsmarkt analog zum Arbeitsmarkt in der Folge der Finanzmarktkrise auch in Hessen unter Druck gerät.“

Der Untersuchung zufolge bilden nur 35 Prozent aller hessischen Betriebe aus. Schmid sprach von einem erheblichen ungenutzten Potenzial. 28 Prozent der Unternehmen bilden nicht aus, obwohl sie die Berechtigung dazu hätten. Bei ihnen gelte es nachzuhaken, forderte Posch.

Im März waren bei den Arbeitsagenturen in Hessen fast 24 950 junge Menschen gemeldet, die eine Lehrstelle suchen, wie Wolfgang Forell, Chef der Regionaldirektion berichtete. Das sei ein Minus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Etwa 15 960 Bewerber hätten noch keine Stelle gefunden. Gleichzeitig seien mehr als 22 430 Lehrstellen im März gemeldet gewesen. Ein Rückgang um elf Prozent. Über 12 750 Stellen seien noch unbesetzt. Gleichzeitig sei die Zahl der Schulabgänger in Hessen stabil, erläuterte Forell. Er geht davon aus, dass die Zahl der Bewerber sinkt, weil viele Jugendliche weiter zur Schule gehen.

In Offenbach seien von Oktober bis März 1 213 Lehrstellenbewerber registriert worden, berichtete die Agentur für Arbeit Offenbach. Dies sei ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 0,6 Prozent. Bei den gemeldeten Stellen sei ein deutliches Minus festzustellen: 838 Stellen seien seit Oktober gemeldet worden, das seien 27,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2007/2008.

Forell appellierte an die Firmen, Auszubildende einzustellen. „Wenn die Rezession vorbei ist, brauchen Unternehmen gut ausgebildete Mitarbeiter.“

Quelle: op-online.de

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