Krise bringt Hessen-Wald mehr Grün

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Dem Hessenwald steht in den kommenden Jahrzehnten eine Umbaumaßnahme bevor: Der Anteil der Fichte soll sinken. Die Douglasie soll ihren Platz einnehmen.

Kassel - In Hessens Wäldern wird derzeit mehr aufgeforstet und weniger abgeholzt. Wegen der geringen Nachfrage hat der Landesbetrieb Hessen-Forst die Holzernte deutlich zurückgefahren und die Arbeitskraft der Belegschaft auf die Aufforstung der Windwurfflächen umgelenkt. Von Sabine Ränsch (dpa)

Dabei wird zunehmend Fichte durch die für den Klimawandel besser gerüstete Douglasie ersetzt.

Die Wirtschaftskrise schlägt sich zwar auch in der Bilanz nieder, aber 2008 schrieb der Landesbetrieb erneut schwarze Zahlen.

Im vergangenen Jahr seien 2,3 Millionen Festmeter Holz geschlagen worden, 1,2 Millionen weniger als 2007, sagt Hessen-Forst-Chef Michael Gerst. Aus den Lagerbeständen, die nach den Orkanen der vergangenen Jahre angelegt worden waren, kamen noch einmal 100 000 Festmeter in den Verkauf. Insgesamt nahm der Landesbetrieb 2008 rund 130 Millionen Euro für Holz ein, 9 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Auch in diesem Jahr soll deutlich weniger Holz geerntet werden als langfristig geplant.

Nachfrageflaute und drastisch gesunkene Holzpreise haben Hessen-Forst bisher nicht in die roten Zahlen rutschen lassen.

Aktuell sind die Holzpreise im Keller, sie liegen laut Gerst 20 bis 30 Prozent unter dem Niveau des vergangenen Jahres. „Noch schlimmer als befürchtet“ habe die Krise den Holzmarkt erfasst. Allerdings gebe es auch schon wieder ein kleines Nachfrageplus, vorerst sei das aber nur ein zartes Signal auf einen Silberstreif am Horizont.

Rund 1700 Hektar kahle Flächen, die die Orkane Kyrill und Emma hinterlassen haben, wurden inzwischen aufgeforstet. Ziel seien Mischbestände aus 50 Prozent Laub- und 50 Prozent Nadelholz, berichtet Gerst. Der Klimawandel wird die Wälder in den nächsten Jahren sichtbar verändern. Der Fichte, bisher „Brotbaum“ der deutschen Forstwirtschaft, wird es zu warm. Sie soll nach und nach durch andere Baumarten ersetzt werden, die höhere Temperaturen besser vertragen. Der Anteil der Fichten in hessischen Wäldern soll von derzeit 24 Prozent auf 20 Prozent gesenkt werden. Die Forstämter haben „Risikokarten“, auf denen Gebiete markiert sind, die keine optimalen Fichten-Standorte mehr sind.

Der neue hessische Wald

Als Alternative wird vor allem die Douglasie angepflanzt, ein Baum, der bis zur letzten Eiszeit vor mehr als 10 000 Jahren in Europa heimisch war, dann aber hier ausstarb und nur in Nordamerika überlebte. Von dort wurde die Douglasie im 18. Jahrhundert wieder nach Europa eingeführt. Sie braucht viel Regen und wächst zügig. Der in der Forstwirtschaft gefürchtete Borkenkäfer, der vor allem Fichten befällt, mag sie nicht. Douglasien haben derzeit einen Anteil von drei Prozent in den hessischen Wäldern. Mittelfristig soll er auf zehn Prozent steigen. Überall, wo es möglich ist, soll die Natur selbst für neuen Wald sorgen. Im Boden schlummern Milliarden Samen. Innerhalb weniger Jahrzehnte wächst daraus von allein wieder Wald, wie auf Forschungsflächen etwa im Vogelsberg zu sehen ist. Allerdings geht das laut Gerst nicht auf allen Kahlflächen und auch dort nicht, wo der reine Fichtenwald zum Mischwald umgebaut werden soll.

Zwar hat es im vergangenen Winter keine Orkane mit verheerenden Schäden gegeben, aber dennoch könnte auch in diesem Jahr mehr Holz anfallen als geplant: Der ungewöhnlich warme April - in Hessen lag die Durchschnittstemperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach um 4,7 Grad über dem langjährigen Mittel - hat die Borkenkäfer früh aus ihrer Winterruhe geweckt. Wird es in den nächsten Monaten warm und trocken, könnten sich drei Generationen der gefürchteten Schädlinge unter der Fichtenrinde entwickeln. Einmal befallen, müssen die Bäume schleunigst aus dem Wald gebracht werden, damit sich der Schädling nicht ausbreiten kann. Hessen-Forst versuche, den Befall rechtzeitig zu reduzieren, „damit nicht mehr Holz anfällt als gebraucht wird“, sagt Gerst.

Wem der Wald gehört

Fast die Hälfte Hessens ist mit Wald bedeckt. Mit einer Quote von 42 Prozent liegt das Land deutlich über dem Bundesschnitt von gerade einmal 30 Prozent. Hessens größter Waldbesitzer ist Hessen selbst: Etwa 343 000 Hektar, also 40 Prozent, gehören dem Land. Die Kommunen besitzen 35 Prozent, 25 Prozent ist Privatwald.

Zum Waldbesitzerverband gehören 60 000 Mitglieder - vom Privatier oder Landwirt mit ein paar Quadratmetern bis zur Großstadt. Nur das Land ist nicht Mitglied. Zum Landesbetrieb Hessen-Forst gehören 441 Revierförstereien in 41 Forstämtern und gut 2600 Mitarbeiter. Hinzu kommen in Hessen etwa 340 private Forstbetriebe mit mehr als 100 Hektar Wald.

Bei den Begriffen „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“ reagieren Förster mit Unbehagen. Die Namen bezeichnen Arten des Borkenkäfers, des größten Schädlings in der Forstwirtschaft. Sie kommen weltweit an Laub- und Nadelbäumen vor. Die meisten Arten besiedeln geschädigte oder bereits abgestorbene Bäume. Einige befallen aber auch gesunde Bäume. Unter günstigen Bedingungen vermehren sich Borkenkäfer sprunghaft und können Waldbestände zum Absterben bringen. Die Käfer bohren sich durch die Rinde und legen Brutgänge an. Die Larven zerstören die Wasser- und Nährstoffleitungen.

Quelle: op-online.de

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