Kritik vom Steuerzahlerbund

Hessentag ist viel zu teuer und verfehlt

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Kassel - Der Steuerzahlerbund wettert gegen den Hessentag: Zu teuer, zu lang, zu oft. Nach seinen Berechnungen kostet das Fest das Land mehrere Millionen Euro im Jahr - ohne dabei hessische Identität zu stiften.

Der Hessentag ist nach Einschätzung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) in Hessen viel zu teuer. Das Fest koste das Land zwischen 15 Millionen und 20 Millionen Euro pro Jahr, sagte Clemens Knobloch, Haushaltsreferent des BdSt Hessen, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Das ist zu viel. Für uns ist der Hessentag in dieser Form überflüssig.“

Außerdem sei die Wirkung des Hessentags zweifelhaft, betonte Knobloch. „Ich weiß nicht, wie die Identität der Hessen damit gehoben werden soll. Durch Konzerte von Stars bin ich kein besserer Hesse.“ Kein anderes Bundesland leiste sich ein solch großes Landesfest. Der Hessentag wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Integrationsfest ins Leben gerufen.

Idee: Verkleinern und seltener stattfinden

Knobloch forderte, das Landesfest wegen zu hoher Ausgaben zu verkleinern und seltener stattfinden zu lassen. „Das wäre eine Kostenersparnis, auch wenn man damit den Haushalt nicht sanieren kann. Wir haben kein Geld dafür.“

Der Steuerzahlerbund hat den Hessentag 2009 in Langenselbold genauer unter die Lupe genommen: Zwischen drei und fünf Millionen Euro habe das Land an direkten Kosten gehabt, etwa für Polizei, Werbung oder die Landesausstellung, rechnet der Experte vor.

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Hinzu kämen Maßnahmen der Wirtschaftsförderung, wie beispielsweise die Sanierung einer Fußgängerzone. In Langenselbold hätten diese das Land etwa 8,5 Millionen Euro gekostet. Als Ausgabe für den Hessentag tauche diese Summe offiziell aber gar nicht auf. „Das ist eine Umschichtung von Geldern, dadurch wird der Landeshaushalt nicht zusätzlich belastet“, sagte BdSt-Haushaltsreferent Knobloch. Dennoch handele es sich um 8,5 Millionen Euro für den Hessentag. Kassel könnte in diesem Punkt etwas günstiger werden: In der Großstadt gebe es schon vieles an Infrastruktur.

Neben den direkten Kosten und der Wirtschaftsförderung bezahle das Land Hessen zusätzlich kommunale Projekte des Hessentags-Ausrichters, um dessen Verluste durch das Landesfest auszugleichen. In Langenselbold lagen diese 2009 bei rund 3,6 Millionen Euro - die Stadt Kassel kalkuliert sogar mit Verlusten von 5,0 Millionen Euro.

Insgesamt kostet das Landesfest den hessischen Steuerzahler nach Angaben der Experten so Jahr für Jahr mehr als 15 Millionen Euro. Das bekommen auch die Kommunen zu spüren: Weil der Ausrichter des Hessentages beim kommunalen Finanzausgleich stärker bedacht werde, bliebe weniger für die anderen übrig. "Da müsste eigentlich Unmut von den anderen Kommunen kommen", sagte Knobloch.

Quelle: op-online.de

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