„Argumente gehen an Thema vorbei“

Wissenschaftler der NORAH-Lärmstudie reagieren auf Vorwürfe

Frankfurt - Die Autoren der Lärmstudie NORAH haben gestern auf Kritik an ihrer wissenschaftlichen Untersuchung zu den Auswirkungen von Flug-, Schienen- und Straßenlärm im Rhein-Main-Gebiet reagiert. Von Michael Eschenauer

Die Forscher widersprechen den vor wenigen Tagen von drei Medizinern geäußerten Zweifeln an der Aussagekraft der Studie. Eine ausführlichere wissenschaftliche Stellungnahme sei in Vorbereitung, hieß es gestern. Zur öffentlichen Diskussion um NORAH in den vergangenen Tagen erklärt Studienleiter Prof. Dr. Rainer Guski von der Ruhr-Universität Bochum: „Einige Argumente wirken vorgeschoben, weil sie an der wissenschaftlichen Debatte vorbei zielen.

Offensichtlich werde die Finanzierung von zehn Prozent durch die Fraport AG benutzt, um NORAH als interessengeleitet zu diskreditieren. Die Studie verdiene es aber, wissenschaftlich diskutiert zu werden. An der Finanzierung von NORAH waren auch Kommunen beteiligt. Sie hatten ebenfalls Einfluss auf die Fragestellungen der Studie.

Das Konsortium habe über 2500 Seiten wissenschaftliche Berichte vorgelegt. Auch die Stellungnahmen des Wissenschaftlichen Beirates seien veröffentlicht worden, so Guski. „Einige der Kritikpunkte hätten sich geklärt, wenn die Unterlagen genau angeschaut worden wären“, ergänzt Prof. Wolfgang Hoffmann, Epidemiologe an der Universität Greifswald und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates Qualitätssicherung (WBQ) der Studie.

Gemeinsam mit den anderen Experten des Beirates hat er nach eigenen Angaben die Studie von Anfang an kritisch geprüft und begleitet. In den nächsten Wochen würden die Leiter der jeweiligen Abschnitte der Studie die sie betreffenden Fragen beantworten. In seiner bereits vorliegenden Gesamtstellungnahme bescheinigt der Qualitätsbeirat der NORAH-Studie „insgesamt ein hohes methodisches Niveau“ und bezeichnet sie als „wegweisend in der Lärmwirkungsforschung“.

Zurzeit informiert das Umwelt- und Nachbarschaftshaus gemeinsam mit den NORAH-Wissenschaftlern und Vertretern des Beirats die Bewohner in der Region über die Studienergebnisse.

Die Studie hatte ergeben, dass permanenter Verkehrslärm insgesamt geringere Gesundheitsschäden anrichten kann, als bisher angenommen. Der Krach von Flugzeugen, Autos und Eisenbahnen kann das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen, wirkt sich aber nicht auf den Blutdruck aus. Besonders genervt seien Menschen vom ständigen Fluglärm, stellten die mit der Studie befassten Wissenschaftler fest. Als überraschend gilt der festgestellte Zusammenhang zwischen Depressionen und Lärm.

100. Montags-Demo im Flughafen

Das Risiko für diese Erkrankung steige mit wachsendem Lärm, den stärksten Effekt habe Fluglärm. „Das lässt uns schon aufhorchen“, hatte der Psychologe Dirk Schreckenberg vom ZEUS Zentrum für angewandte Psychologie (Hagen) bei der NORAH-Pressekonferenz festgestellt. Es gebe weiteren Forschungsbedarf. Das gilt nach Ansicht der Wissenschaftler auch für das Herzschwäche-Risiko, das bisher unterschätzt worden sei.

Für die NORAH-Studie hatten sich mehrere Forschungs- und Fachinstitutionen zusammengeschlossen. Die Forscher hatten fünf Jahre lang die Folgen von Flug-, Straßen- und Schienenlärm in den Regionen Rhein-Main, Köln-Bonn und Stuttgart untersucht. Die Kosten der Untersuchung liegen bei knapp zehn Millionen Euro.

Die Antworten des NORAH-Konsortiums sind hier nachzulesen.

Quelle: op-online.de

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