Krümmel-Debakel trifft auch Biblis

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„Atom-Ausstiegs-Uhr“ vor dem Landtag: Nach Bekanntwerden verschiedener Störfälle in der Anlage Krümmel steht auch das AKW Biblis wieder im Zentrum der Diskussion.

Wiesbaden - (dpa) Mit einer „Atom-Ausstiegsuhr“ hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Wiesbaden gegen längere Laufzeiten alter Kernkraftwerke wie Biblis protestiert.

Die gestern vor dem Landtag aufgebaute Uhr zeigt die Jahre, in denen sieben Kraftwerke ursprünglich abgeschaltet werden sollten - darunter 2008 für den älteren Block Biblis A. Der Kraftwerkbetreiber RWE zögert nach Darstellung des BUND mit zeitaufwendigen Wartungsarbeiten die endgültige Abschaltung bis zur Zeit nach der Bundestagswahl hinaus in der Hoffnung, eine bürgerliche Mehrheit werde längere Laufzeiten auch für Biblis genehmigen.

Hessen wählt die Atomkraft ab. Biblis stilllegen“ hieß es auf einem Transparent. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Hammann unterstützte den Protest. Sie warf CDU und FDP vor, ihnen seien die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung egal. Laufzeitverlängerungen müssten verhindert werden, „und die unsicheren Schrottreaktoren in Biblis dürfen erst gar nicht mehr ans Netz gehen.“ Beide Biblis-Blöcke sind derzeit für Wartungsarbeiten abgeschaltet.

Bereits bei der Landtagssitzung am Mittwoch hatten SPD, Grüne und Linke die sofortige Stilllegung von Biblis gefordert. CDU und FDP warfen der Opposition daraufhin Panikmache vor. Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) betonte, in Biblis sei in den vergangenen zehn Jahren eine Milliarde Euro in die Sicherheit investiert worden. Deutsche Kernkraftanlagen zählten zu den sichersten in der Welt. Aus ihrer Sicht ist die Atomenergie als Übergangstechnologie noch nötig. Sie knüpft mögliche Laufzeitverlängerungen aber an die technische Sicherheit und an die Einrichtung eines Fonds zur Erforschung erneuerbarer Energien und besserer Stromnetze. In den Fonds solle die Stromwirtschaft 20 Milliarden Euro einzahlen.Der FDP-Abgeordnete Frank Sürmann sagte, Biblis sei dank Nachrüstungen „fast wie ein Neubau“.

Reingewinn von rund 300 Millionen Euro pro Jahr

BUND-Sprecher Thorben Becker betonte während der Protestaktion, die Betreiber verdienten hervorragend an alten, wirtschaftlich längst abgeschriebenen Atommeilern. Er sprach von einem Reingewinn von rund 300 Millionen Euro pro Jahr. Dabei vermieden die Betreiber Investitionen in die Sicherheit alter Anlagen, wie der jüngste Zwischenfall im Atomkraftwerk Krümmel zeige.

Weiterlaufende Atomkraftwerke verschärfen nach Aussage des BUND-Sprechers zudem das Müllproblem. Niemand wisse bisher, wo radioaktiver Müll letztlich gelagert werden solle. Allein deshalb wäre es sinnvoll, die alten Atomkraftwerke abzuschalten. Bei längeren Laufzeiten würden sie noch mehr Müll produzieren.

In Biblis steht das einzige hessische Atomkraftwerk. Die beiden Blöcke A (Baujahr 1974) und B (1976) gehören zu den ältesten Atomreaktoren Deutschlands, Block A ist der älteste noch laufende Meiler im Land. Wenn beide in Betrieb sind, decken sie rein rechnerisch die Hälfte des hessischen Stromverbrauchs. Derzeit sind allerdings beide Reaktoren für Revisionsarbeiten abgeschaltet, die Arbeiten können sich unter Umständen bis nach der Bundestagswahl im September hinziehen.

Quelle: op-online.de

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