Kultur und „Zornhau“

+
Kunst mit Eisblock im Klingspor Museum. Foto: p

Offenbach/Frankfurt Die „12. Nacht der Museen“ fiel diesmal in Offenbach kleiner aus, als in den letzten Jahren. Allerdings nur hinsichtlich der Örtlichkeiten, nicht beim Publikumsandrang. Drei Museen hatten ihre Pforten geöffnet, das Rosenheim-Museum war dieses Jahr nicht dabei.

Insgesamt öffneten fast 50 Museen und Ausstellungshäuser in Frankfurt und Offenbach ihre Türen zu dem gigantischen Kulturspektakel und boten Konzerte, Lesungen, Künstlergespräche oder Filmvorführungen.

Erstmals beteiligten sich die „Klassikstadt“ im Frankfurter Stadtteil Fechenheim mit ihrer Oldtimer-Ausstellung und der frisch sanierte Kuhhirtenturm in Alt-Sachsenhausen, im dem der Komponist Paul Hindemith einst lebte. Insgesamt kamen mit knapp 40 000 Besuchern etwas weniger als erwartet.

Die 12. Nacht der Museen in Bildern

Nacht der Museen: Kultur und „Zornhau“

Publikumsrenner in Offenbach war das wiedereröffnete Ledermuseum, das auf seinem Vorplatz mit einem Mittelaltermarkt en miniature aufwartete. Ein aufgespießtes Ferkel brutzelte, man konnte sich an Bärlauchbrot laben, Holzschwerter, germanische Motivteller oder Lederbändchen erwerben. Dass sich in die Szenerie auch einige historisch unpassende Details eingeschlichen hatten - etwa Indianerschmuck oder Anstecker mit der amerikanischen Südstaaten-Flagge - störte niemanden.

Kunst mit Eisblock im Klingspor Museum. Foto: p

Oberbürgermeister Horst Schneider wurde von der Formation „Schabernax“ mit Dudelsack, Trommel und Feuerschlucker stilgerecht und huldvoll auf dem Gelände begrüßt. Im Inneren des Hauses gab es weitere Stände, vor allem zur fachkundigen Beratung der ausgesprochen interessierten Besucher. Parallel zu einem Vortrag über Bogenschießen wurden an einer Schauwand die unterschiedlichen Pfeilspitzen und Hölzer vorgestellt. Ein Lederverarbeiter erläuterte die Herstellung von Taschen, Messerscheiden und Pfeilköchern. Man erfuhr vom richtigen Anlegen einer Ritterrüstung. Der Offenbacher Verein „Zornhau“ führte Schaukämpfe in historischer Schwertfechtkunst vor. Dr. Rosita Nenno berichtete über den Minnesang. Im Haus der Stadtgeschichte konnten dieses Jahr die Videoinstallation von Cornelia Dollacker und die ansprechenden Wald- und Kindergemälde von Georgia Wilhelm bewundert werden. Die Grafische Werkstatt führte in die Druckkunst ein. Für Jazzpop sorgte das in schicke Anzüge verpackte Quartett „Red Lounge Lovers“.

Sehr viel lauter ging es derweil vor dem Klingspor Museum zu. Während ihr Künstlerkollege Stefan Kindel nur die klassische Feile benutzte, hatte sich Schriftkünstlerin Tanja Leonhard eine Elektrosäge zur Hand genommen, um ihre Eis-Plastik zu erstellen. Werkelte Kindel den Schriftzug „Vanitas“ aus einem -18 Grad kalten Eisblock, so schuf Leonhard einen großen Totenkopf mit Frakturbuchstaben. „Ach wie schön“, äußerte eine Betrachterin verzückt. „Es ist erst das zweite Mal, dass ich eine Eisskulptur schaffe“, gab Leonhard zu. „Sonst arbeite ich mit Holz. Doch das ist sogar schwieriger wegen der ungleichen Materialstruktur. Einziges Problem: Die Eisskulptur ist durchsichtig, also die Form schwerer für den Betrachter zu erkennen.“ Leonhard möchte mit solch innovativen Ideen das Klingspormuseum und dessen engagierten Leiter Stefan Soltek unterstützen.

Mittelalterliche Maid mit Tattoo und Piercing.

Im Frankfurter Teil der „Nacht der Museen“ nahmen die Besucher aus der Bankenstadt und der Region Abschied vom Historischen Museum wie man es bisher kannte: „mauerpicken für alle“ stand an der Wand des aus den 70er Jahren stammenden unbeliebten Kolosses am Römerberg als die Elektromeißel starteten. Besucher konnten sich selbst Stücke der Fassade herausschlagen und die in Beton gegossene Erinnerung als Souvenir mitnehmen, in wenigen Tagen beginnt unwiderruflich der Abriss.

Innen, dort wo noch vor wenigen Wochen millionenschwere Kunst hing, wurden Cocktails gereicht. Wo einst mittelalterliche Altäre standen, zierten frisch gesprühte Graffitis die Wände. Der Geruch von Lackfarbe und Betonstaub mischte sich zu einer Stimmung des Aufbruchs und des Abschieds. Das Historische Museum war eines der Highlights der diesjährigen „Nacht der Museen“. Im Dialogmuseum konnte man im Dunkeln Tango tanzen, das Kommunikationsmuseum bot Clowns und russische Musik, im Ikonen-Museum gab es Bauchtanz und Shisha. Bei der Benefizauktion „Junge Kunst mit Zukunft“ wurden zum zehnten Mal Werke von Künstlern der Städelschule und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach versteigert.

Von Claus Wolfschlag und Christian Rupp (dpa)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare