Auf dem ehemaligen Bockenheimer Universitätsgelände

Kulturcampus: Der Grundstein ist gelegt

+
Entwicklungsfähig: Der ehemalige Campus der Goethe-Universität gilt als städtebauliches Filetstück. Jetzt soll dafür ein Bebauungsplan beschlossen werden.

Frankfurt - Ein Hotelturm wird gebaut, dazu noch Büros und Wohnungen. Doch wie viel Kultur wird es auf dem Kulturcampus geben? Der Neubau der Musikhochschule könnte der Grundstein dafür sein, dass das Areal seinen Namen in einigen Jahren zu Recht tragen wird. Von Ira Schaible

Der 116 Meter hohe Frankfurter Uni-Turm sackte innerhalb weniger Sekunden in sich zusammen. Nie zuvor war in Europa ein höheres Haus gesprengt worden. Zwei Jahre später ist die Zukunft des Standorts weitgehend besiegelt: Mit dem Bau eines 140 Meter hohen Hotel- und Appartementturms wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte begonnen. Ein 100 Meter hohes Bürohochhaus, eine Kita und ein fünf- bis sechsstöckiges Bürogebäude sollen bald folgen. „Es läuft“, sagt der Chef der Wohnungsbaugesellschaft ABG, Frank Junker. Die Idee, auf dem alten Uni-Gelände rund 1200 Wohnungen, Büros, Geschäfte, viel Grün und ein Zentrum der Hochkultur anzusiedeln, wird seit sechs Jahren diskutiert. Was davon übrig bleibt, ist offen. Zwischenzeitlich war diese Vision für das fast 17 Hektar große Gelände in weite Ferne gerückt, jetzt erscheint sie wieder realistisch. „Der Kulturcampus wird den Ruf Frankfurts als Kulturmetropole stärken“, ist Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) überzeugt.

Die schwarz-grüne Landesregierung stellt ab 2021 rund 100 Millionen Euro für den Neubau der einzigen hessischen Musikhochschule bereit. „Die Musikhochschule ist der Anker für den Kulturcampus“, sagt Junker. Jetzt seien eine Raumbedarfsanalyse und eine Machbarkeitsstudie notwendig. Könnte die Hochschule das alte Juridicum nutzen? Oder muss das Gebäude abgerissen werden? Von solchen Untersuchungen hänge ab, welche anderen Kultureinrichtungen noch Platz finden können, heißt es bei der Stadt. Das Kulturdezernat hat schon mal vorgefühlt und mehreren Einrichtungen einen Fragebogen geschickt. Darunter sind die Junge Deutsche Philharmonie, das Ensemble Modern, die Hessische Theaterakademie, das Frankfurt LAB (modernes Theater, Tanz und Musik) sowie die Dresden Frankfurt Dance Company (früher Forsythe-Company). Mit den Ergebnissen der „Potenzial-Erfassung“ sei voraussichtlich Ende Februar zu rechnen, so das Kulturdezernat.

Der Präsident der Musikhochschule, Thomas Rietschel, zeigt sich „sehr zufrieden“: „Es läuft genau richtig“, sagt er. „Stadt und Land, alle sind im Boot.“ Jetzt müsse allerdings viel Grundlagenarbeit gemacht werden. „Das wird unter den Musikhochschulen in Europa ein einmaliger Standort sein“, schwärmt er. Die alte Hochschule platzt schon lange aus allen Nähten. Nicht ganz so überzeugt ist der Generaldirektor des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg, Volker Mosbrugger. Nachdem das Land das Geld für den Neubau der Hochschule zugesagt und die Stadt ein „klares Commitment“ für den Kulturcampus abgegeben habe, „bin ich wieder optimistisch, dass es was wird“, sagt er. Allerdings bleibe abzuwarten, ob es der große Wurf werde, oder ein „evolutionäres Modell mit Kompromissen“. Wie gut dieses werde, hänge davon ab, welchen Stellenwert die Kultur darin bekomme. Wenn Büros, Wohnungen und der Verkauf sehr wichtig würden, könne es auch eine „Light-Variante“ werden.

Kulturhauptstadt San Sebastián - Spaniens schicke Perle

Senckenberg ist Vorreiter auf dem Filetgrundstück zwischen Messe und Palmengarten. Der größte Umbau des Forschungsinstituts in seiner fast 200-jährigen Geschichte ist laut dem Institut voll im Zeit- und Kostenplan. Spätestens 2018 soll alles fertig sein. Für rund 116 Millionen Euro werden die 100 Jahre alten Gebäude zu beiden Seiten des Museums modernisiert und um etwa 10 000 Quadratmeter erweitert. Die Häuser, die durch den Umzug der Uni vom Campus Bockenheim innerhalb der Stadt frei wurden, sollen durch gläserne Brücken mit dem Museum verbunden werden.

Das weit über Hessen hinaus bekannte Ausstellungsgebäude soll bis 2020 umgebaut werden. 56 Millionen Euro werden dafür gebraucht und sollen von Spendern aufgebracht werden, wie Jördens sagt. Etwa 9,5 Millionen Euro seien bislang zugesagt. Abseits von Kultur und Forschung entstehen im denkmalgeschützten Philosophicum voraussichtlich bis August 238 Studenten-Appartements, eine Kita und ein Café. In der ehemaligen Mensa „Labsaal“ sind derzeit bis zu 170 Flüchtlinge einquartiert. In den Gesprächen über ein „offenes Haus der Kulturen“ im ehemaligen Studierendenhaus zeichne sich eine Lösung ab, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Der Umbau der sogenannten Professorenvillen in Wohnungen und Gewerbeflächen soll im Sommer abgeschlossen sein. Noch keine konkreten Pläne gibt es für den Umzug der Uni-Bibliothek im Norden des Geländes.

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare