Kulturschock für Fastfood-Fans

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Maria Braubach-Torremante ist stolz auf ihre „Bio Gourmet Box“, die sie nun im dritten Jahr betreibt.

Ganz anders als die anderen sieht er aus. Statt Zwiebeln und Mayo lugt zwischen den beiden Vollkorn-Brotscheiben Feldsalat hervor. Das gebratene Hackfleisch ist mager und kaum gesalzen. Wer Fastfood-Burger gewohnt ist, bekommt hier einen mittelschweren Kulturschock. Von Georg Buschmann

Denn in dem Exemplar, das in der „Bio Gourmet Box“ auf einem rustikalen Holztisch steht, ist alles bio. In der Küche wuselt die Inhaberin Maria Braubach-Torremante. Obwohl sie mittlerweile vier Angestellte hat, ist sie noch voll im Tagesgeschäft. Stolz erzählt sie, dass ihr Lokal das erste und bis vor kurzem auch einzige in ganz Frankfurt war, das das Bio-Siegel erhielt. 500 bis 600 Euro koste es im Jahr, das Siegel führen zu dürfen.

In der „Bio Gourmet Box“ kommen ausschließlich Waren aus biologischem Anbau auf den Tisch. Nur Wasser und Salz sind nicht bio, weil es sie als Bio-Produkte nicht gibt. Wichtig ist der Inhaberin bei ihren Gerichten neben dem Bio-Aspekt auch, dass die Produkte aus der Region kommen. Die meisten Zutaten bezieht sie von Höfen aus Hessen und Baden-Württemberg.

Nach dem Bank-Job sollte es etwas Sinnvolles sein

All diese Höfe sind wie die „Bio Gourmet Box“ mit dem Bio-Zertifikat gekennzeichnet. „Ich selber kann aber nicht nachprüfen, ob sie auch wirklich Bio-Ware produzieren“, sagt die Inhaberin. Das machen die Lebensmittelkontrolleure, die auch die Gourmet-Box prüfen. Dies sind private Unternehmen, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kontrolliert werden. Daher gehöre bei ihr Vertrauen mit dazu: „Ich schaue mir nur die gelieferte Ware an und achte auf die Herkunft.“ Zwei ihrer Zulieferbetriebe hat sie bisher auch persönlich besucht.

Mittlerweile betreibt Maria Braubach-Torremante ihr Bistro in Frankfurt-Bockenheim im dritten Jahr. Vorher hat die gebürtige Italienerin 20 Jahre lang bei einer Bank gearbeitet. Bewusst ernährt habe sie sich schon immer. Vor neun Jahren hat sie begonnen, ihre Ernährung auf Bio-Lebensmittel umzustellen. Den Job bei der Bank gab sie 2004 auf, um „etwas Sinnvolles zu tun“. Drei Jahre arbeitete sie auf die Eröffnung ihres Bistros hin, besuchte einen Kochkurs, sprach mit Lieferanten und entwickelte ein Geschäftsmodell. Angefangen hat sie mit zwei Mitarbeitern, inzwischen beschäftigt sie eine Köchin, eine Küchenhilfe, eine studentische Aushilfe und einen weiteren Koch in Teilzeit.

„Die Leute wollen bewusster essen“

Mehr Infos auf der Internetseite der Bio Gourmet Box.

Gewinne werfe ihr Geschäft allerdings noch nicht ab, so Braubach-Torremante. „Dafür sind die Personalkosten zu hoch.“ Außerdem kosteten die Bio-Lebensmittel deutlich mehr als normale. Dennoch blickt sie optimistisch in die Zukunft. In diesem Jahr will sie ihre Küche auch für einen Catering-Service nutzen. Außerdem plant sie, einen mobilen Stand mit Bio-Gerichten in Frankfurt einzurichten.

Maria Braubach-Torremante glaubt, dass das Geschäft mit den Bio-Lebensmitteln gute Perspektiven hat. „Gerade seit Jahresbeginn merkt man, dass die Leute bewusster leben und essen wollen.“

Ihre Speisekarte, auf der unter anderemGrünkern-Burger, Kräuterseitlinge oder Weißkohl stehen, kommt bei den Stammkunden gut an. Gast Renate erzählt, dass das Tagesgericht zwar mit 7,50 Euro etwas teurer sei als anderswo. „Aber dafür ist es vollwertig und ich brauche im Laufe des Tages nichts mehr zu essen.“ Auch Francesco hat es das Bio-Bistro angetan. Der 42-jährige Vegetarier kommt seit der Eröffnung regelmäßig mit dem Rad aus Sachsenhausen. Nur der Beef-Burger mit dem Vollkornbrot ist für ihn Tabu.

Quelle: op-online.de

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