Zähe Folien bieten Schutz

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Im Industriepark Höchst will Kuraray eine weitere Fertigungsstraße bauen.

Frankfurt - Kuraray - wenige kennen den Namen, doch zahlreiche architektonische Attraktionen hätten ohne das Unternehmen mit Europa-Sitz im Industriepark Höchst in Frankfurt kaum realisiert werden können. Von Marc Kuhn

Für die Kuppel des Reichstags in Berlin war das Knowhow der Firma wichtig. Und auch der gläserne Grand Canyon Skywalk, der Besuchern einen atemberaubenden Blick in die Tiefe ermöglicht, konnte nur mit den Spezialfolien von Kuraray hergestellt werden. Sie sind zwischen den Glasscheiben angebracht und geben ihnen einen enormen Halt. Da die Folien auch sehr zäh sind, werden sie unter anderem für Sicherheitsglas genutzt und sollen Schutz vor Einbrechern bieten.

„Wir sind dann gut, wenn man uns nicht sieht“, sagt Matthias Gutweiler, Präsident der Kuraray Europa GmbH, unserer Zeitung. Etwa 420 Millionen Euro Umsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr mit rund 600 Mitarbeitern erwirtschaftet. Es ist Teil der Kuraray Co. mit Hauptsitz im japanischen Tokio. Die weltweit tätige Spezialchemiefirma erzielt mit etwa 6 600 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro.

PVA wird in Farben und Textilfasern verarbeitet

Kuraray ist nach Einschätzung von Gutweiler der führende Anbieter von Polyvinylalkohol (PVA) und Polyvinylbutyral (PVB) in Europa. „Wir sind ein wachsendes Unternehmen“, erklärt er. Wegen der regen Nachfrage erhöht es deshalb seine Kapazitäten im Industriepark. Eine sechste Fertigungsstraße wird bis 2013 gebaut, auf diese Weise soll die Produktion von jetzt etwa 70 000 auf rund 94 000 Tonnen hochgefahren werden. Die Japaner investieren 58 Millionen Euro an dem Standort. Damit werde die Grundlage für weiteres Wachstum geschaffen, erläutert Gutweiler.

PVA wird zum Beispiel in Farben und Textilfasern verarbeitet. Aber auch bei der Papierherstellung spielt es eine wichtige Rolle. Aus PVA wird PVB hergestellt. Ein Schwerpunkt des Geschäfts von Kuraray sind die PVB-Folien, die im Werk in Troisdorf bei Bonn produziert werden. Unter dem Namen Trosifol werden sie für Sicherheitsglas in Fahrzeugen und Gebäuden verwendet. Gerade in diesem Segment erwartet Kuraray ein deutliches Wachstum.

Das Material wird zudem für die Verklebung von Solarmodulen verwendet, berichtet Gutweiler. Der Markt sei in den vergangenen Jahren explodiert. Kuraray exportiere die Folien für Dünnschichtmodule auch nach China und Taiwan. Die asiatischen Firmen setzten deutsche Konkurrenten mit immer günstigeren Angeboten in der jüngsten Vergangenheit massiv unter Druck. Die Förderpolitik hierzulande hat darüber hinaus zu einem enormen Ausbau der Solarkapazitäten und kräftig steigenden Strompreisen geführt. Gutweiler sieht die Entwicklung auf dem Solarmarkt deshalb durchaus kritisch. „Es kann nicht sein, dass wir den chinesischen Markt subventionieren. Der Stromverbraucher finanziert chinesische Firmen“, sagt er.

„Anfang 2009 hat es Einbrüche gegeben“

Der japanische Konzern steht auf noch weiteren Beinen. Deshalb vertreibt Kuraray Europa auch noch Dentalprodukte wie Zahnfüllungen, Kunstleder und Spezialchemikalien.

Die Geschäfte liefen nicht immer so gut. In den 90er-Jahren sei nicht genügend investiert worden, erinnert sich Gutweiler. Die Marken, einst Teil des Hoechst-Konzerns, wurden 1997 von Clariant übernommen und 2001 an Kuraray verkauft. Die Japaner hätten regelmäßig in das Unternehmen investiert, berichtet Gutweiler. Das habe sich ausgezahlt. Der Umsatz sei von 130 Millionen Euro 2001 auf zuletzt 420 Millionen gestiegen. „Das ist eine Erfolgsstory.“ Die internationale Wirtschaftskrise habe Kuraray nur kurz gespürt.

Anfang 2009 habe es Einbrüche gegeben, sagt Gutweiler. Doch in der zweiten Jahreshälfte sei es wieder aufwärts gegangen. Ende des vergangenen Jahres habe Kuraray die Ergebnisse des Rekordjahres 2008 erreicht. Für die Zukunft ist Gutweiler zuversichtlich. Der deutsche Markt wachse. „Die Industrie boomt, das merken wir sehr positiv.“ Aber auch beispielsweise in Polen und Russland sowie in Finnland, wo Kuraray die Papierindustrie beliefert, laufen die Geschäfte gut.

Quelle: op-online.de

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